Heimatlose im Buechholz

Wegen hoher Zuweisung des Bundes und Neubauprojekt in Adliswil wird Buechholz wieder zum Durchgangszentrum für Asylsuchende bis Ende Jahr. Sie werden jedoch nicht länger als zwei Monate in Zollikon bleiben.

Bald gehen alle Lichter an in der Truppenunterkunft Buechholz. (Bild: cef)
Bald gehen alle Lichter an in der Truppenunterkunft Buechholz. (Bild: cef)

Das Facility Management des Kantonalen Sozialamtes hat einen klaren Auftrag. Die Truppenunterkunft Buechholz muss bis nächsten Montag bezugsbereit sein. Ab dem 21. Februar werden die Räumlichkeiten zur Unterbringung von Asylsuchenden genutzt. Buechholz war das letzte Mal vom Herbst 2015 bis Sommer 2016 in Betrieb. Die Aktion erfolgt in Absprache mit dem Kantonalen Sozialamt. «Der Kanton Zürich trägt eine grosse Verantwortung», erklärt Amtschefin Andrea Lübberstedt. «Er übernimmt fast einen Fünftel der asylsuchenden Personen, die der Bund den Kantonen zuweist. Im letzten Jahr wurden gut 35 Prozent mehr Asylgesuche gestellt als im Jahr 2020.» Warum wollten ein Drittel mehr Menschen in der Schweiz eine neue Heimat finden? «Solche Schwankungen sind normal», beschwichtigt ­Andrea Lübberstedt. «Von Notstand kann nicht gesprochen werden.»

Mitte Dezember 2021 informierte das Sozialamt die Gemeinde Zollikon erstmals über den Bedarf, da dem Kanton aufgrund des Neubaus eines Asylzentrums in Adliswil bis Ende Jahr Plätze fehlen. Der Kanton plant, ­organisiert und übernimmt anfallende Kosten. «Das letzte Mal waren im Buechholz 80 Personen untergebracht, jetzt werden es bis zu 60 Personen sein», sagt Otto ­Bieri, Leiter der Abteilung Gesellschaft der Gemeinde Zollikon. «Wegen der Pandemie wird die Unterkunft nicht voll ausgenützt.» Der Kanton schickt ab nächster ­Woche Einzelpersonen und Paare nach Zollikon. Buechholz dient als Durchgangszentrum: «Es ist vorgesehen, dass der Aufenthalt in Zollikon jeweils nicht länger als zwei Monate dauert», betont Andrea Lübberstedt. «Das ist für schulpflichtige Kinder nicht geeignet, weil sie dann zu schnell wieder die Schule wechseln müssten.» Woher die Menschen stammen, weiss das Sozialamt noch nicht: «Im Jahr 2021 waren die wichtigsten Herkunftsländer Afghanistan, Türkei, Eritrea, Syrien und Algerien.» «Wir haben die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Zollikon wegen Tagesstrukturen in den Räumlichkeiten am Rösslirain angefragt», erklärt Otto Bieri. Dazu brauche es Freiwillige, die bereit sind, bei der Betreuung mitzuhelfen. «Es ist für alle Asylsuchenden eine schwierige ­Situation, in einem solchen Zentrum zu leben mit dem Wissen, dass es nach ­einigen Wochen weitergeht.» Er ist überzeugt, dass die Bevölkerung von Zollikon Verständnis für das Schicksal dieser Menschen haben wird. Der Kanton beauftragt die ORS Service AG für eine 24-Stunden-Betreuung im Zentrum. «Die ORS war auch in den Jahren 2015 und 2016 in Zollikon tätig», sagt ­Andrea Lübberstedt. Das Kürzel ORS steht für «Organisation for Refugee Services» und ist eine international anerkannte Dienstleisterin, die rund 30 Jahre in fünf europäischen Ländern geflüchtete Menschen betreut. Nächste Woche werden 25 Personen im Buechholz einziehen. «Es sind Personen in ­einem laufenden Verfahren, die bereits in anderen kantonalen Strukturen gelebt haben oder die neu vom Bund an den Kanton überwiesen wurden», erklärt Andrea Lübberstedt. «Der Kanton und die ORS setzen auf einen offenen Dialog mit der Anwohnerschaft und den Zolliker Behörden.» Angestrebt wird ein reibungsloser Betrieb und ein gutes Miteinander. (Unterstützungsan­gebote nimmt der Zentrumsleiter ­Masoud Arzi von ORS entgegen.)

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