Zwischen Migros und Mensa

Je älter die Schüler, umso freier die Essenswahl am Mittag. Doch der Foodtruck in Zumikon musste weichen.

Suchbild: Hier stand der beliebte Foodtruck. Nun müssen die Schüler und Schülerinnen eine neue «Futterstelle» suchen. (Bild: bms)

Im Chindsgi wird noch genau hingeschaut: Was ist in der Znüni-Box? Finden sich da Chips oder Schokoriegel, gibt es den mahnenden ­Zeigefinger. In der Primarschule haben die Lehrer keine Zeit mehr, sich um die Pausenverpflegung zu kümmern. Immerhin gibt es noch den Mittagstisch oder den Zmittag zuhause. Die Schüler und Schülerinnen haben wenig Gelegenheit, sich dem Genuss von Fastfood hinzugeben. Das ändert sich, wenn sie in die Sekundarschule oder eine andere weiterführende Schule – wie die internationale Schule in Zumikon – gehen. Nur zu gerne hatte Toni Albino die Schüler und Schülerinnen der ICS an seinem neuen Foodtruck begrüsst. Doch von einem Tag auf den anderen seien die jungen Kunden weggeblieben. «Ich habe miterlebt, wie einem Schüler vor dem Truck verboten wurde, bei mir etwas zu bestellen», erinnert sich der Koch. Das wundert ihn umso mehr, als er schon früh den Kontakt mit der ICS gesucht habe. «Die Gespräche waren absolut konstruktiv. Es gab sogar die Idee, den Truck auf das Schulgelände zu stellen.» Rund 50 bis 60 Essen hat er jeden Mittag an seinem Foodtruck verkaufen können. Als die junge Kundschaft ausblieb, zog er schnell die Reissleine. Mittlerweile steht er in Küsnacht auf dem grossen Parkplatz gegenüber der Migros. «Hier ist auch die Parksituation viel besser. Und viele meiner ehemaligen Zumiker Kunden kommen eben mit dem Auto in der Mittagspause.»

«Schule hat Sorgfaltspflicht»

Sanjeev Premchand, Vorsitzender des ICS-Stiftungsrates, erläutert seine Sicht: «Gemäss offiziellem Schulreglement dürfen lediglich die Schülerinnen und Schüler der 11. und 12. Klasse in der Pause das Schulgelände verlassen.» Für die Jüngeren habe die Schule die Sorgfaltspflicht. Für den Mittagstisch sei in der Mensa gesorgt. «Mittlerweile konnten wir uns mit Toni Albino im persönlichen Gespräch austauschen, und die Sache hat sich für beide Seiten geklärt. Ich persönlich finde es wirklich schade, dass es den Foodtruck nicht mehr gibt. Er hätte bestens zum attraktiven und umfangreichen kulinarischen Angebot in Zumikon gepasst.»

Dass Jugendliche nicht immer Wert auf ausgewogene Ernährung legen, zeigt sich auch an der Sekundarschule Zollikon. Zwar wird an vier Tagen ein warmes Mittagessen angeboten, genutzt werde dies aktuell nur von ungefähr zehn Schülern, vornehmlich aus der 1. Sekundarstufe. «Viele gehen über Mittag nach Hause oder holen sich etwas in den heimischen Supermärkten», weiss Schulleiterin Simone Hürlimann. Zusätzlich gebe es noch das Angebot, vor Ort Speisen zu wärmen, was ebenfalls gut genutzt werde.


Last Food

Ich habe Trauben geschält, damit das Kind sie isst. Ich habe für die Znüni-Box im Chindsgi mit den Weihnachtsförmchen ­Kiwi-Sterne ausgestanzt. Den Geburtstags­kuchen mit Honig oder Ahorn­sirup angerührt, weil Kristall­zucker ganz oben auf der Liste der verbotenen Lebensmittel stand. Ich habe Gemüse quasi atomisiert, um es im Auflauf zu verstecken. Ich habe Obst-­Smoothies verquirlt und in fancy Becher gefüllt, damit sie irgendwie hip aussehen, und sie selber mit einem lauten «mmmhh» runtergewürgt.

Ich habe Zitronenscheiben, Ingwerstücke und Basilikumblätter in die Glaskaraffe geworfen, um das Wasser zu pimpen. Ich habe Bio-Haselnusscreme in das Nutellaglas gefüllt und bin aufgeflogen. Ich habe Tomaten angebaut und jedes Mal, wenn eine winzig kleine Frucht rot genug war, sie mit den Worten «Ach, das schmeckt ja so viel besser» kommentiert. Ich habe Grünkohlchips im Ofen gebacken und sie als Trend-Snack aus den USA serviert.

Jeder Zmittag war eine Herausforderung. Schmeckt sie, dass in der Spaghettisauce ein Hauch von Aubergine ist? Und jetzt kommt sie auf die weiterführende Schule und wird zusammen mit ihren Freundinnen alleine über ihren Mittagstisch entscheiden. Vor meinem inneren Auge sehe ich Eistee, Chips und Glacé. Meine innere Stimme sagt aber auch: Die Mission «Gesundes in Geschmackvolles zu verwandeln» ist endlich vorbei.
Wo habe ich jetzt nochmal die Schokolade versteckt?

Birgit Müller-Schlieper

Anzeige

1 Kommentar

  1. Er wäre sowieso gescheitert – das angebotene Essen war nicht das, was die Studenten wollen würden. Wenn es die gleichen „Schweizer“ Angebote und lokale Versionen von Lebensmitteln aus anderen Ländern sind, die im Vergleich zur Realität schlecht sind, warum kaufen Sie am Lastwagen, wenn es sie bei Migros für weniger Geld gibt.