Pionierinnen der Krankenpflege

Die Anstrengungen unverheirateter Frauen haben die Pflege von kranken Menschen, Kindern und Betagten professionalisiert. Das beeindruckende Lebenswerk der Diakonissen ist heute Teil der modernen Krankenpflege. An einem stillen, jedoch sehr hellen Ort ist die Geschichte des Diakoniewerkes Neumünster ausgestellt.

Klein aber fein – das neu gestaltete Museum erzählt die Geschichte des Diakoniewerks. (Bild: zvg)
Klein aber fein – das neu gestaltete Museum erzählt die Geschichte des Diakoniewerks. (Bild: zvg)

In Museen wird nicht nur Kunst gesammelt, sondern auch Zeitgeschichte veranschaulicht. Das wollte Schwester Margrit Muther, die ehemalige ­Oberin der Diakonie Neumünster. Sie hat 2014 das Museum des Diakoniewerkes Neumünster eingerichtet. Ihr Werk wurde jetzt aufgefrischt und wieder eröffnet auf dem Spitalgelände. 1858 gründeten Mitglieder der Evangelischen Gesellschaft, einem politisch konservativen, religiös pietistischen Kreis
des oberen Zürcher Bürgertums, die Kranken- und Diakonissenanstalt Neumünster. Mit der Diakonie sollte die Krankenpflege professionalisiert werden. In dieser Zeit gab es erste medizinische Fortschritte. In der Bevölkerung war der Anteil von Frauen und Männern nicht im Gleichgewicht. Viele Frauen mussten unverheiratet bleiben, damit blieb ihnen ein gesellschaftlicher Status verwehrt, auch existierten kaum berufliche Perspektiven.
Aus dieser Not entstand die Idee, Frauen einen Status mit der Diakonie zu bieten. Sie erarbeiteten sich im Laufe der Jahre einen aus­gezeichneten Ruf als Gemeindeschwestern, aber auch in der Spital-, Alten- und Kinderpflege. Die Neumünster-Diakonissen waren die ersten systematisch ausgebildeten Krankenschwestern in der Ostschweiz. Aus dem Krankenasyl ist im Lauf der 150 Jahre dank Fusionen mit anderen Stiftungen ein ­Sozialunternehmen geworden mit heute rund 1400 Mitarbeitenden und Freiwilligen. Pfarrer Ulrich Knellwolf hat 2008 im Buch «Lebenshäuser» (NZZ Libro) die Entwicklungsgeschichte der Stiftung Diakoniewerk Neumünster aufgearbeitet. Im Zollikerberg leben heute noch 20 Diakonissen, die jüngste ist 55 Jahre, die zweitjüngste 79 Jahre alt.

Das Museum macht das Lebenswerk von Frauen sichtbar, die sich selbstlos in den Dienst der Menschheit stellten. So bescheiden die Frauen arbeiteten, so zurückhaltend gibt sich auch ihr Museum. Es ist lichtdurchflutet mit Blick auf den Park. In wenigen Vitrinen sind Utensilien der Pflege aus vergangenen Zeiten ausgestellt. Eine übersichtliche Zeittafel zeigt die Entwicklung des Sozialwerkes. Auch die Uniform der Diakonissen fehlt nicht – ein praktisches Schuhwerk in schwarzem Leder, die weisse Haube aus gestärktem Leinen auf dem Kopf. Diese Uniform legen sie erst in der Pension ab. Diakonissen durften jederzeit aus der religiösen Gemeinschaft austreten. Manche Gemeindeschwester hätte sich in einen Witwer verliebt und ihre ­Uniform abgelegt …

Museum im Brunnenhof auf dem Gelände der Stiftung Diakoniewerk Neumünster – Schweizerische Pflegerinnenschule, Zollikerberg: Montag
bis Freitag 8.00 bis 17.00 Uhr geöffnet (Samstag, Sonntag geschlossen)

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