Eine Welle der Hilfsbereitschaft

In Zollikon beginnt am Montag schon Deutschunterricht für Flüchtlinge. In Zumikon meldeten sich 300 Bürger und Bürgerinnen mit Spenden.

Das Café am Puls ist zur zentralen Anlaufstelle geworden. Hier gibt es etwas zu essen, Spielzeug für die Kinder, die Möglichkeit zum Austausch und vor allem WLAN. (Bild: ab)
Das Café am Puls ist zur zentralen Anlaufstelle geworden. Hier gibt es etwas zu essen, Spielzeug für die Kinder, die Möglichkeit zum Austausch und vor allem WLAN. (Bild: ab)

Der Krieg in der Ukraine treibt die Schutzbedürftigen – vornehmlich Frauen und Kinder – auch in die Schweiz. In Zollikon und Zumikon sind die ersten Vertriebenen bereits an- und untergekommen. In beiden Gemeinden laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. In Zollikon hat sich ein Krisenstab aus Gemeinde und den beiden Kirchgemeinden gebildet. «Wir haben keine eigenen Wohnungen, vermitteln aber private Unterkünfte», erläutert Otto Bieri, Leiter Abteilung Gesellschaft.

Aktuell beherbergen 18 Gastfamilien insgesamt 45 Personen. Weitere 19 Zolliker Familien, die Platz zur Verfügung stellen möchten, stehen noch auf der Liste. Damit könnten weitere 54 Personen unterkommen. Für die Unterkünfte gibt es klare Raumvorgaben. «Wir orientieren uns an der Schweizer Flüchtlingshilfe», unterstreicht Otto Bieri. So müssen die Räume abschliessbar sein, Zugang zu einer Nasszelle und zu Kochmöglichkeiten bieten. «Es wäre auch wünschenswert, wenn die Gastgeber Zeit hätten, um den Geflüchteten ein bisschen ­Orientierung im Schweizer Alltag zu geben», erklärt Otto Bieri weiter. Finanzielle Entschädigungen erhalten die Gastgeber nicht. Wer eine Unterbringung zur Verfügung stellen kann, soll sich an den Sozialdienst der Gemeinde wenden.

Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, kann sich bei der Fachstelle Alter und Gesundheit (Tel. 044 391 60 86) melden. Dort wird die Hilfe koordiniert und organisiert. Mittlerweile gibt es 28 Freiwillige, die Angebote von Fussball über Pilates bis zu Gestaltung in Aussicht stellen. Da die Grundlage für den Alltag hier die deutsche Sprache ist, hat der Krisenstab dort besonders Gas gegeben. Schon am Montag beginnt im Zollikerberg der Deutschunterricht für Erwachsene. «Zusätzlich haben wir den Familienclub angefragt, ob eine Spielgruppe für die Kleinen eingerichtet werden kann», sagt Otto Bieri.

Als Anlaufstelle, Austauschmöglichkeit und Treffpunkt hat sich das Café am Puls im Zollikerberg herauskristallisiert. Das Begegnungszentrum ist werktags von 9.30 bis 17 Uhr geöffnet. Die Flüchtlinge freuen sich hier nicht nur über warmes Essen und Getränke, sondern auch über WLAN, um mit den Verwandten in der Ukraine den Kontakt halten zu können.

Die Gäste werden versorgt mit Informationen zur Erwerbstätigkeit und zur ärztlichen Versorgung. Geplant ist ebenfalls eine Supervision für die Gastfamilien.

In Zumikon konnten sich vergangenen Montag Hilfsbereite melden, die Sachspenden wie Betten, Decken, Stühle, Töpfe oder Geschirr zur ­Verfügung stellen können. Und das taten sie. Drei Mitarbeiterinnen sassen den ganzen Tag über am Telefon, um die Angebote aufzunehmen. 300 Mal klingelte das Telefon. «Wir hatten mit einer grossen Hilfsbereitschaft gerechnet, aber nicht mit so einer überwältigenden Resonanz», freut sich Gemeindeschreiber Thomas Kauflin. Mittlerweile wurde entschieden, mit welchem Mobiliar die sechs freien Wohnungen im ­alten Feuerwehrhaus bestückt werden sollen. «Wir können uns leider aus Kapazitätsgründen nicht bei allen potenziellen Spendern melden, deren Angebot wir nicht oder noch nicht verwerten können, aber wir sind allen Anrufern und Anruferinnen sehr dankbar.»

Offiziell gibt es noch keine zugewiesenen Flüchtlinge in der kleinen Gemeinde. Auf private Initiative allerdings sind schon mehrere ­ukrainische Frauen und Kinder in Zumikon untergekommen. Auch in Zumikon hatten die reformierte und katholische Kirche und ebenso das Freizeitzentrum sofort ihre Hilfe angeboten. Thomas Kauflin verspricht: «Wir werden jeweils auf die aktuelle Situation reagieren und freuen uns über das Engagement. Gleichzeitig wollen wir den Geflüchteten auch erstmal die Möglichkeit geben, zur Ruhe zu kommen und danach werden wir sehen, wo die Bedürfnisse genau liegen.»

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