Kommunikation und Konfliktfähigkeit

Laetitia Dahl Bünger will sich für ein einheitliches Auftreten und respektvolles Miteinander einsetzen.

Dank ihrer drei Kinder kennt Laetitia Dahl Bünger den Puls der Zumiker Schule. (Bild: zvg)

Sie waren bisher nicht in der Schulpflege aktiv. Weshalb bewerben Sie sich gleich um das Amt der Präsidentin?

Schon länger habe ich überlegt, für die Schulpflege zu kandidieren. Als es keine Kandidatur aus dem Kreis der Bisherigen gab, habe ich mich entschieden. Ich glaube, dass ich mit meinen beruflichen Qualifikationen einen guten Rucksack mitbringe. Am Amt reizt mich, für die Schule die richtigen Pflöcke für die Zukunft einzuschlagen und Brücken zwischen Eltern, Kindern, Lehrpersonen und Schulverwaltung zu bauen.

Was ist Ihr beruflicher und privater Hintergrund?

Ich habe an der Universität St. Gallen Wirtschaft und Pädagogik studiert und mit einer Doktorarbeit zum Thema «Entstehung von Bildungsstrategien in Unternehmen» abgeschlossen. Ich besitze das Handelslehrerdiplom und lehre in der Erwachsenenbildung Wirtschaftsfächer. Die letzten acht Jahre habe ich als Schulleiterin eine Höhere Fachschule für Wirtschaft erfolgreich geführt. Davor konnte ich reichhaltige Erfahrungen bei der Gestaltung der Bildungslandschaften von UBS und Roche Diagnostics sammeln.

Die Schulpflege hat während der letzten Amtsdauer ein eher uneinheitliches Bild abgegeben. Zwei der Mitglieder haben nach einer Amtsperiode wieder aufgehört. Gleich fünf Bewerber für das Gremium sind neu. Wie würden Sie für ein einheitliches Auftreten sorgen?

Mir ist eine offene Diskussionskultur wichtig, in der alle Argumente sachlich auf den Tisch gebracht und gemeinsam die besten Lösungen gefunden werden. Gegen aussen ist aber einheitlich aufzutreten, wie es sich für eine Kollegialbehörde gehört. Das Fundament dazu stellen die gemeinsam erarbeiteten Werte und das gegenseitige Vertrauen innerhalb der Schulpflege dar.

Welche Aufgaben sehen Sie am dringlichsten mit Blick auf die Zukunft der Schule?

Mein Herzensanliegen ist, dass jedes Kind optimale Förderung erhält, in der auf Stärken und Schwächen eingegangen wird. Das Wichtigste ist für mich, dass die Kinder aus ihrer Schulzeit die Freude am Lernen mitnehmen. Die Schule Zumikon hat in die Begabungs- und Begabtenförderung bereits investiert. Darüber kann Zumikon stolz sein. Mir ist wichtig, dass diese Förderung noch stärker in die Schulkultur Eingang findet. Zur individuellen Förderung gehört ebenso, dass auch der Bedarf an Sonderpädagogik zeitgerecht abgeklärt wird.

Schwelende Konflikte können Kinder vom Lernen abhalten. Daher ist der Umgang mit diesen wichtiger Teil der Lernkultur. Konflikte müssen angesprochen und konstruktiv gelöst werden. Es soll ein Miteinander auf gleicher Augenhöhe zwischen Kindern, Lehrpersonen, Mitarbeitenden und Eltern sein. Schliesslich ist die Fähigkeit zur Konfliktlösung eine ausgesprochen wertvolle Kompetenz, die kein Computeralgorithmus übernehmen kann. Konkret hat die Schule ein wunderbares neues Leitbild, das ich in der gesamten Organisation verankern möchte. Zudem möchte ich die Entscheidungen an der Schule transparenter machen. Und klar verständlich machen, an welcher Stelle welches Anliegen von wem eingebracht werden kann, damit eine respektvolle Kommunikationskultur entsteht.

Ist es von Vorteil, selber noch ein Kind an der Juch-Schule zu haben und Entwicklungen aus Schülersicht zu sehen, oder fehlt damit die Distanz?

Persönlich sehe ich darin einen grossen Vorteil: Durch meine drei Kinder kann ich den Puls der Schule sehr genau spüren. Natürlich gilt es Distanz zu wahren. Ich werde nicht aufgrund von Hörensagen agieren, sondern mich immer auf gesicherte Fakten abstützen. Durch meine Berufserfahrung als Schulleiterin bin ich gewohnt, mit emotionalen Rückmeldungen von fordernden Personen umzugehen.

Es wird immer wieder behauptet, Lehrerinnen und Lehrer an der Goldküste würden zunehmend von ehrgeizigen Eltern gefordert. Ist das auch Ihre Erfahrung? Und wenn ja: Haben Lehrpersonen in weniger akademischen Regionen nicht einfach andere Herausforderungen?

Jede Region kämpft mit ihren Herausforderungen. In akademisch geprägten Regionen möchten die Eltern stärker einbezogen werden. Dies bringt Herausforderungen, aber auch Vorteile mit sich. Mir ist daher eine transparente Kommunikation auf Augenhöhe wichtig. Werden die Eltern gut mitgenommen, kann dies eine positive Dynamik auslösen.

Der Wechsel von der Primar- zur Sekundarschule oder aufs Gymnasium ist immens. Es geht von der persönlichen Betreuung in die extreme Selbstständigkeit. Wie können Lehrpersonen und Eltern die Kinder darauf vorbereiten?

Diese Aufgabe sehe ich geteilt bei Lehrpersonen und Eltern. Lehrerinnen und Lehrer können auf jeder Stufe die Selbständigkeit fördern, in der Mittelstufe zum Beispiel mit einem Wochenplan. Eltern sollten speziell in der 6. Klasse diesem Thema zu Hause ein grosses Gewicht geben.

Die Juch-Schule hat professionell auf das Homeschooling reagiert. Die Lehrerpersonen waren vorbereitet, der Unterricht via Teams klappte gut. Wären diese Erfahrungen und das Gelernte nicht weiterzuverfolgen? Sind Elternbriefe und Aufgabenblätter in Papierform noch zeitgemäss?

In der Primarschule haben Blätter in Papierform etwas Haptisches und ihre klare Berechtigung. Aber Sie haben recht, die Digitalisierung ist auch in der Schule nicht mehr wegzudenken. Dabei geht es um die Frage, welche Kompetenzen die Kinder brauchen, und wie diese im Unterricht am besten vermittelt werden können, auf analoge oder digitale Art. Um mit der Digitalisierung einen Mehrwert zu schaffen, braucht es ein schulweites didaktisches Konzept, guten technischen Support und eine ­zielgerichtete Weiterbildung der Lehrpersonen.

An der Primarschule im Zollikerberg werden Freifächer wie Turnen und Maschinenschreiben ange­boten. Ist das auch in Zumikon denkbar?

Die Schule muss sicherstellen, dass möglichst alle Kinder die Lernziele erreichen. Gemäss Lehrplan 21 ist das Maschinenschreiben im regulären Unterricht zu integrieren. Zusätzlicher Turnunterricht wird in Zumikon bereits angeboten. Ich fände es aber spannend, über zusätzliche freiwillige Angebote im Kontext der Betreuung im Hort zu diskutieren.

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