Zumikon im Aufbruch

Die Neugestaltung des Dorfplatzes ist einen Schritt weiter. Die Tiefgarage wird saniert, auf dem Platz soll ein Pavillon realisiert werden, die Dorfbeiz bekommt eine neue Adresse. Das Gemeinschaftszentrum befindet sich noch in der Projektierungsphase. Über die erste Etappe wird im Juni an der Gemeindeversammlung abgestimmt.

Die Visualisierung der möglichen Neugestaltung des Zumiker Dorfplatzes: Er soll ein Ort zum Verweilen und für Anlässe werden. (Bild: zvg)

«Ich bin überrascht von dem Projekt, soviel habe ich nicht erwartet», sagt Anna Verena Imfeld. Sie ist in Zumikon aufgewachsen und kennt den Dorfplatz wie auch das Gemeinschaftszentrum bestens. Der Dorfplatz bröckelt. Die Tiefgarage ist undicht, die Beton-­Armierungen rosten. Die Infrastruktur der Dorfbeiz verschlingt Reparaturkosten. Kurzum, die 40 Jahre, die der Dorfkern auf dem ­Buckel hat, lassen sich nicht schönreden. Am Informationsabend vom 31. März ist nicht nur Anna Verena Imfeld überrascht von der Fülle der Projekte. Das Publikum muss viele Informationen über sich ergehen lassen. Nach der Begrüssung von Gemeindepräsident Jürg Eberhard übernimmt Thomas K. Epprecht, Vorsteher Liegenschaften, die Moderation. Vier Referenten und eine Referentin zeigen auf, was, wo und warum geschehen ist.

Alles beginnt 2016 mit Befragungen als «Dorfgespräch». Anhand von Testplanungen mit drei Architektenteams entwickeln sich zehn Handlungsgrundsätze. Im März 2019 informiert der Gemeinderat darüber. Mit diesen «zehn Geboten» lanciert der Gemeinderat zusammen mit der Gemeindeverwaltung und einer externen Firma einen Projektwettbewerb zum Dorfplatz. Im Preisgericht sitzen zwei Architektinnen, vier Architekten, drei Gemeinderäte, die Co-Präsidentin des Gemeindevereins und Gäste ohne Stimmrecht. Teilnahmeberechtigt sind Teams aus Landschaftsarchitektur und Architektur. Die Ausschreibung ­erfolgt im Oktober 2020. Nicht ­weniger als 52 Projekte liegen vor, elf werden zum eigentlichen Wettbewerb zugelassen, um neben der Gestaltung weitere Kriterien zu ­vertiefen, etwa Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Barrierefreiheit. Die Anonymität der Planer ist garantiert, damit sich das Preisgericht vorbehaltlos auf die Ideen konzentrieren kann. Im zweiten Auswahlverfahren im Mai 2021 macht das Projekt namens «Aladin» das Rennen. Eckhaus AG Städtebau Raumplanung bekommt den Zuschlag.

In der Gesamtwürdigung des Projektes «Aladin» wird der Pavillon auf dem Dorfplatz als neues Identifikationselement gepriesen. Der Grundriss erinnert mit viel Fantasie an Aladins Wunderlampe aus der Märchensammlung «1001 Nacht». «Das ist ein gutes Projekt, ein Pavillon mit vielseitiger Verwendung. Ich denke an ein Konzert der Harmonie am Muttertag oder an eine Markthalle», sagt Luzia Kiener. Sie arbeitet in der Apotheke am Dorfplatz und wird jeden Arbeitstag bei Aladins Wunderlampe vorbeigehen: «Ich lebe seit 1978 in Zumikon und war vor dem Dorfplatz da.»

Von schöner Umgebung, Luft und Liebe kann der Mensch nicht leben. Zumal Essen alle Menschen mit­einander verbindet, darf eine Dorfbeiz nicht fehlen. Das alte Res­taurant wird abgebrochen und bekommt eine neue Adresse – Dorfplatz 13. Nach dem Verkauf der Liegenschaft der Metzgerei Schweizer vereinbart die Gemeinde mit der neuen Eigentümerin Moyreal Immobilien AG, ein Restaurant zu bauen. Der Neubau wird auf das Niveau des Dorfplatzes gehoben, darin sollen auch Mietwohnungen entstehen. Und das Restaurant im Erdgeschoss besticht in der Visualisierung mit Glaswänden, einem freien Blick auf den Dorfplatz inklusive Sonnen­terrasse. Geplant sind im Lokal bis zu 80 Sitzplätze. Die Gemeinde­versammlung wird über den Gestaltungsplan entscheiden können, weil das Grundstück einer Gestaltungspflicht untersteht. Dies wird jedoch erst an einer Versammlung im Jahr 2023 möglich sein.

Auch eine Sanierung des Gemeinschaftszentrums steht an. Ein komplexes Unternehmen, da die Gemeinde, die evangelisch-reformierte und die römisch-katholische Kirchgemeinde als Eigentümerinnen beteiligt sind. Der Bau von 1982 stammt aus der Hand des ETH-Architekten Max Ziegler. Er war einer der grossen Vertreter der Nachkriegsmoderne. Wieder erfolgte eine Testplanung mit drei Architektenteams. Das Gebäude wird modernisiert, die Baustruktur von Max Ziegler bleibt ­jedoch erhalten. Als Südwesttrakt könnte ein Neubau realisiert werden, zumal sich die Anbindung zum Dorfplatz über den Güggelplatz verbessern liesse. Diese Ideenskizzen müssen mittels Projektplanungen noch vertieft werden.

Das Facelifting des Dorfkerns wird viel Zeit und Geld verschlingen. An der Gemeindeversammlung vom 14. Juni 2022 wird der Souverän über die Projektierung des Dorfplatzes abstimmen; 350’000 Franken sind dafür budgetiert. Die Projektierung der Tiefgarage kostet 670’000 Franken, der Anteil der Gemeinde beträgt die Hälfte. Über die Ausführungskredite wird ein Jahr später abgestimmt. Für den Dorfplatz ist mit rund fünf Millionen Franken zu rechnen, für die Tiefgarage mit etwa sieben Millionen, die Hälfte entfällt auf die Gemeinde. Im September 2023 wird es richtig teuer – zum Gemeinschaftszentrum ist eine Urnenabstimmung erforderlich. Von den total geschätzten 22,8 Millionen Franken trägt die Gemeinde als Miteigentümerin rund 18,3 Millionen. Im Total enthalten sind auch die Projektierungskosten von 1,25 Millionen Franken, über die die Stimmbürger bereits im Herbst 2022 entscheiden werden. Unmengen von Ideen, Zahlen und Projekte geistern durch Zumikon – die Neugestaltung fordert die Bevölkerung. Der Gemeinderat hat soeben eine neue Befragung gestartet, schriftlich oder per Mail (www.dorfzentrum-zumikon.ch). Wie soll der Pavillon «Aladin» genutzt werden, wo braucht es ein Wasserspiel, wie gross muss der Spielplatz sein? Rolf Müller, Bürger von Zumikon, ist zufrieden: «Das ist eine seriöse, gute Vorbereitung, der Stimmbürger wird ernstgenommen. Feedbacks sind nicht nur erlaubt, sondern werden eingefordert.»

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