Zwischen Berg und Dorf

Ein Stimmungsbericht aus dem Gerenhaus. Der Quartierverein Zollikerberg hat am 7. April zu einem Podium mit den neuen Kandidierenden für die Gemeinderatswahlen 2022 eingeladen.

Mitten im Sturmtief «Nasim» treffen sich 40 Interessierte im Gerenhaus an der Binzstrasse. Der Quartierverein Zollikerberg organisiert eine Diskussion mit den neuen Kandidatinnen und Kandidaten für den Gemeinderat. Es ist eine Premiere, nicht etwa das Podium, aber im Wahljahr 2022 leben drei der fünf Kandidierenden im Zollikerberg. Bis anhin dominierte jeweils das Dorf. Das bestätigt die Zollikerin Claudia Eberle-Fröhlich. Sie übernimmt als Verlegerin des Zolliker Zumiker Boten die Moderation.

13 000 Menschen leben insgesamt im Dorf und Berg, angesichts dieser Grösse brauche es eine Portion Mut, zu kandidieren, betont die Moderatorin. Das Publikum applaudiert. «Warum kandidieren Sie? Und wie lautet Ihr persönlicher Slogan?» Dies muss in 60 Sekunden beantwortet sein – dann wird die Rede unterbrochen. Claudia Iriniger vom Berg (FDP) will sich für starke Schulen im Kontext der Digitalisierung engagieren. Dorian Selz vom Dorf (GLP) sucht für die Zukunft neue konstruktive Wege mit Fokus auf die Umwelt. Die Lebensqualität mit Investitionen für nachhaltige Entwicklungen liegt Patrick Dümmler (FDP) vom Berg am Herzen. Durch Vielfalt einen besseren, lösungsorientierten Dialog mit der Bevölkerung erwartet Sandra Fischer vom Berg (Forum 5W). Und Thomas Gugler vom Dorf (SVP) will der Gemeinde mit Kompetenz und Lebenserfahrung zur Verfügung stehen.

Nach den Statements überreicht ihnen Claudia Eberle-Fröhlich «Sticker» mit Begriffen, wie Wunschressort, Schwerpunkt, Vision, Zollikerberg und Joker. Damit machen die Kandidierenden ihre Prioritäten sichtbar. Sandra Fischer wählt als erste Priorität Zollikerberg. Dorian Selz setzt den Joker. Claudia Irniger entscheidet sich für Vision, Thomas Gugler für Zollikerberg und Patrick Dümmler ebenfalls für Vision.

Alle einigen sich über den grossen Handlungsbedarf im Zollikerberg. Als Strassendorf leidet der Berg am Pendlerverkehr auf der Forchstrasse. Entlang der Verkehrsachse gibt es zwar einige Geschäfte, doch ein Zentrum fehlt. Dorian Selz sieht eine Chance, die Autos in einen Tunnel zu verbannen und den gewonnenen Platz zu beleben. Ein solches Projekt bräuchte aber eine lange Planung durch alle Instanzen. Thomas Gugler ist für eine schnelle Lösung mit einem Projekt auf einem Gemeindegrundstück: Genossenschaftswohnungen, Läden und Gewerbe – ein Dorfkern soll den Berg beleben. Sandra Fischer spricht über die Spaltung zwischen Dorf und Berg. Wolle sie Leute vom Berg antreffen, müsse sie in die Migros nach Zumikon fahren. Claudia Irniger erhofft sich ein Bewusstwerden der Bevölkerung – um diese Spaltung zu beheben, seien alle gefordert. Patrick Dümmler plädiert für ein Zentrum mit Nutzungsmix, jetzt sei alles verzettelt mit Café am Puls und Quartiertreff. Die Moderatorin sammelt auch Meinungen aus dem Publikum. Einige Beispiele: Das Spannungsverhältnis zwischen Berg und Dorf zeige sich an den gemeindeeigenen Blumenrabatten – im Dorf werden sie besser gehegt. Der Standort eines neuen Zentrums wird diskutiert, und die Wichtigkeit eines Parkhauses. Patrick Dümmler ist überzeugt, dass ein Parkhaus allein keine Belebung einleitet. Einkaufen im Dorf soll per Velo oder zu Fuss geschehen, es handle sich ja nicht um Wocheneinkäufe. Dorian Selz berichtet vom umsatzstärksten Migros in der autofreien Zone der Berner Innenstadt.  Wie viele Chäslädeli brauchen 13 000 Menschen? Einigen konnte man sich nicht, zumal auch Grossverteiler Käse verkaufen. Die ökologische Wende ist Dorian Selz ein Anliegen für die Kinder und Kindeskinder. Patrick Dümmler wünscht Investitionen, welche optimale Kosten und Nutzen bringen.

Die Antworten zur Frage Wunschressort: Thomas Gugler (SVP) sieht sich aufgrund seiner Erfahrung bei den Liegenschaften. Patrick Dümmler (FDP) hat Erfahrung als Mitglied der RGPK und wünscht sich die Finanzen. Sandra Fischer (5W) ist offen für alles, Gesellschaft jedoch wäre ihr willkommen. Dorian Selz meint, dass in der Verteilung der Ressorts das Anciennitätsprinzip spielt, darum nehme er das, was er bekomme. Am Ende des Podiums ist es offensichtlich: Die Kandidierenden sind keine Parteisoldaten, welche Parolen runter beten, sondern eigenständige Persönlichkeiten, die sich für Zollikon einsetzen.

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