Als die Bilder plötzlich laufen lernten

Leo Martin aus Zumikon gewinnt bei den Schweizer Jugendfilmtagen 2022 gleich zwei Preise.

Der Gymnasiast Leo Martin erhielt an den Schweizer Jugendfilmtagen 2022 einen Preis für den besten Animationsfilm. (Bild: bms)

Bei «Animateuren» denkt man gemeinhin an stets gut gelaunte Menschen, die weniger motivierte Mitmenschen bespassen und aktivieren wollen. Auch Leo Martin ist ein Animateur. Doch seinen Figuren ist es völlig egal, ob der 16-Jährige gut gelaunt ist oder nicht. Er erweckt Figuren auf seinem Monitor zum Leben. Und das sehr erfolgreich. Der Zumiker Schüler hat bei den diesjährigen Jugendfilmtagen gleich in zwei Kategorien gewonnen. Er siegte in seiner Altersklasse und erhielt den Preis für den besten Animationsfilm für seinen Streifen «The Lost Astronaut».

Anfänge im Chindsgi

Der Astronaut merkt erst spät, dass er in einer Simulation lebt. (Bild: Leo Martin)

Schon ganz früh hat Leo Martin gerne gemalt und gezeichnet. Bereits im Chindsgi war das seine Lieblingsbeschäftigung, die er mit Akribie und Ausdauer auslebte. «In der fünften Klasse im Juch ist dann einem meiner Lehrer aufgefallen, dass ich gut mit Powerpoint unterwegs war. Er empfahl mir ein 3-D-Programm namens Blender, mit dem ich die Bilder laufen lassen konnte», erinnert er sich. Vor ungefähr fünf Jahren fing er an, mit 3-D-Modellen zu arbeiten und Figuren zu entwerfen, ihnen wirklich eine Form zu geben. Seine grösste Motivation waren die Filme von Ian Hubert, die ebenfalls mit Blender produziert wurden. Vor drei Jahren begann er dann, kleine Animationsfilme zu drehen. Mit «The Lost Astronaut» startete er schon in den vergangenen Sommerferien. «Aber immer nur mal eine Stunde nach der Schule.» Die entscheidende Motivation fehlte noch. In den Weihnachtsferien des letzten Jahres musste er den Takt deutlich erhöhen; am 31. Dezember war Einsendeschluss für die diesjährigen Jugendfilmtage. «Es hat vor allem länger gedauert, weil ich immer mal wieder das Drehbuch und den Plot geändert habe. Ich wusste ganz genau, welche Szenen ich zeigen wollte und musste die dann in eine glaubwürdige Geschichte packen», erläutert der Teenager. Viel Zeit brauchte er, um die 7500 einzelnen Bilder zu rendern (übertragen), da er auf seinem Laptop arbeitete. In dem Film geht es um einen Astronauten, der in einer fremden Welt auftaucht und erst spät realisiert, dass er in einer Simulation steckt. Ob er der Simulation entfliehen kann, wird nicht verraten.

PC-Tastatur und Klaviertasten

Wenn Leo Martin am Computer sitzt, zockt er natürlich auch ab und an – wie das wohl fast jeder Jugendliche in seinem Alter tut. «Aber eigentlich nur noch selten. Mein Vater ist immer noch im Home-Office und hat definitiv den leistungsstärksten Computer hier im Haus», erklärt er lachend.

Also konzentriert er sich auf andere Dinge. Zusammen mit einem Schulfreund entwickelt er zum Beispiel eigene Computerspiele. «Mein Freund programmiert und ich mache die passenden Landschaften und Figuren mit ihren entsprechenden Animationen.» Oder aber er vertieft sich in die Welt von Raketen. Wie sind sie gebaut? Wie müssen sie programmiert werden? Wie funktioniert die Steuerung? Mit einem Kollegen versucht er ein funktionierendes Raketentriebwerk zu bauen. «Die Grundlagen habe ich mir mit einem dicken Buch angelesen.»

Wenn das nun so klingt, als würde Leo Martin seine gesamte Freizeit (plus Nächte) vor der Tastatur und dem Monitor sitzen, dann täuscht das. So hat er just die Musik wieder für sich entdeckt. Nachdem er mehrere Jahre am Klavier pausiert hat, bekommt er nun als Schüler des Mathematisch-Naturwissentschaftlichen Gymnasiums wieder Instrumental-Unterricht und hat wieder Freude dran. Etwas lauter wird es, wenn er die E-Gitarre rausholt. Zu hören und zu sehen ist er damit auch bei den regelmässigen Rock-Konzerten der Zumiker Musikschule. Und weil er sich sportlich nicht für eine einzelne Sportart entscheiden konnte, deckt er mit Triathlon gleich drei Fortbewegungsmöglichkeiten.

Sinn für Humor

Besonderen Sinn für Humor bewies Leo Martin mit einem besonderen Instagram-Account. Er präsentierte sich als FDP-Politiker unter dem Namen Andreas Weber, und nicht jeder merkte sofort, dass es sich um Fake handelte. Drei Jahre hat der 16-Jährige noch bis zur Matura. Was danach kommt? Klar, irgendetwas mit Computern. Mit Kreativität und Technik. Vielleicht lässt er einen Triathleten mit einer Rakete zum Mars fliegen, wo dieser mit sphärischen E-Gitarre-Riffs eine neue Spezies Mensch animiert.


Der Wettbewerb

Die Schweizer Jugendfilmtage veranstalten jedes Jahr den grössten nationalen Wettbewerb für Nachwuchsfilmerinnen und -Filmer, und das seit 1976! Am Festival haben junge Talente die Möglichkeit, ihr Werk einem breiten Publikum und einer professionellen Jury auf der grossen Leinwand zu präsentieren. Zu gewinnen gibt es neben Ruhm und Ehre auch Geldpreise im Gesamtwert von 15’000 Franken.

Die Schweizer Jugendfilmtage unterstützen auch Jugendgruppen und Schulklassen kostenlos bei der Erstellung eines Kurzfilms. Die Gruppen erhalten zweieinhalb Tage inhaltliche und technische Unterstützung durch kompetente Fachpersonen. Die fertigen Filme werden für den Kurzfilmwettbewerb in der entsprechenden Alterskategorie (Durchschnittsalter der teilnehmenden Jugendlichen) eingereicht und erhalten so die Chance, an den Schweizer Jugendfilmtagen im darauffolgenden Frühjahr einem grossen Publikum vorgeführt zu werden.

Die Klasse bestimmt, welches Thema ihr am Herzen liegt, und wie dieses Thema umgesetzt werden soll, sei dies als Dokumentarfilm, Animation oder als Spielfilm.

Die Workshops finden jährlich zwischen September und Dezember statt.

Geboten wird

  • ein Dossier zur Unterstützung der Ideenfindung für den Film.
  • professionelle filmspezifische Begleitung: FilmemacherInnen unterstützen die Gruppe vom Schreiben des Drehbuchs bis hin zum Schneiden des Films (zweieinhalb Tage).
  • Beratung bei der Beschaffung von Equipment.
  • Die Gelegenheit, den Film an den nächsten Jugendfilmtagen vorzuführen.

Weitere Informationen unter www.jugendfilmtage.ch

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