Vier Gärten – vier Lebensräume

Das Naturnetz Pfannenstil organisierte einen Spaziergang durch vier naturnahe Gärten. Fabian von Mentlen erzählt von domestizierten Honigbienen, von Wildbienen und Knoblauchrauken.

Lebhaftes Interesse für den Spaziergang durch naturnahe Gärten. (Bild: rb)

Regen prasselt auf Regenschirme und bekannte, mal weniger bekannte Schultern. Der Himmel über dem Zollikerberg grollt, als könne er den Spaziergang durch die vier naturnahen Gärten nicht recht gutheissen. Zumindest die Eigentümer wissen Bescheid und marschieren mit. Der Referent Fabian von Mentlen führt rund 30 Interessierte von Garten zu Garten. Hier, abseits der Forchbahngeleise, haben die einzelnen Hausbesitzer ein kleines Idyll geschaffen. Gärten, die zum Verweilen einladen. Nicht nur menschliche Besucher. Ein Garten wird zum Erholungsort, zum Begegnungsort. Zwischen Mensch und Mensch. Zwischen Mensch und Tier.

Biene Maja ist nicht in Gefahr

Fabian von Mentlen erzählt von den rund 400 Wildbienenarten, die es in der Schweiz gibt. Von der Honigbiene, die domestiziert ist wie das Nutzvieh auf den Weiden. Nicht Biene Maja ist in Gefahr: Es sind die Wildbienen, die mit Lebensraumzerstörung und schwindenden Nahrungsquellen zu kämpfen haben. Die Honigbiene ist genügsam. Doch die Wildbienen unterscheiden zwischen Löwenzahn, Gänseblümchen, Knoblauchrauke und Zaunwicke. Letztere ist beispielsweise das Hauptnahrungsmittel der Langhornbiene. Oder der Natternkopf, den die Natternkopfbiene anfliegt. Viele Wildbienen sind Spezialisten. Das bedeutet: Sie sind nicht in der Lage, den Nektar oder Pollen jeder beliebigen Blütenpflanze zu erreichen. Eine Nelke beispielsweise trägt ihre Nektarien, wo der Nektar produziert wird, am Blütenboden. Ein Insekt braucht einen langen Rüssel beziehungsweise eine lange Zunge, um an die süsse Leckerei heranzukommen. Kurzzungige Bienen haben keine Chance.

Spezialisierte Schmetterlinge

Ähnlich verhält es sich mit einer weiteren wichtigen Bestäubergruppe, den Schmetterlingen. Manche Blütenpflanzen haben sich im Laufe der Evolution so weit entwickelt, dass sie ihre Nektarien bis zu zwei oder drei Zentimeter im Blüteninnern oder gar am Ende von langen Spornen tragen. Hineinkrabbeln unmöglich. So entwickelte eine Schmetterlingsart einen besonders langen, aufrollbaren Rüssel. Et voilà: Die Evolution hat einen weiteren Spezialisten in der Insektenwelt geschaffen. Was, wenn der Schmetterling verschwindet? Die Blütenpflanze hätte niemanden mehr, der ihren Nektar leckt. Noch wichtiger und der Grund für die Erfindung des Nektars: Keiner würde mehr ihren Pollen zur nächsten Blüte tragen. Die Blütenpflanze könnte sich nicht fortpflanzen; so verschwände über kurz oder lang auch sie.

Mit naturnahen Gärten können ­wir über eine Vielzahl heimischer ­Blütenpflanzen staunen – und ganz nebenbei beobachten, welche ­Insekten sie anlocken. Ob Wild­bienen, Wespen, Käfer, Schmetterlinge oder Hummeln: Der Garten wird lebendig.

Anzeige