«Zollikon ist wie der Foifer und s’Weggli»

Sie ist bestens vernetzt, ambi­tioniert und immer auf der Suche nach neuen Trends. Die Zollikerin Annette von Radowitz ist nicht nur eine gewiefte Unternehmerin, die mit der Gründung des Lifestyle-Magazins «Gentlemag» eine Marktlücke entdeckt hat, sondern auch Mutter dreier schulpflichtiger Söhne.

Annette von Radowitz fühlt sich mit ihrer Familie in Zollikon pudelwohl. (Bild: ab)
Annette von Radowitz fühlt sich mit ihrer Familie in Zollikon pudelwohl. (Bild: ab)

Sie haben vor drei Jahren ein ­Online-Magazin lanciert, auf dem Lifestyle-Produkte für Männer ­präsentiert werden. Sind Sie eine Männer-Versteherin?

In Geschäftsfeldern, in denen Frauen die Zielgruppe sind, wie zum Beispiel Lingerie oder Kosmetik, sind grösstenteils auch Männer an der Spitze der Firmen. Da fragt niemand, warum Männer in diesen Positionen sind. Aber ganz ehrlich, ich habe einen betriebswirtschaftlichen Background, sah eine Marktlücke und beschäftige mich gern mit Lifestyle- und Genussthemen. Es gab Online ganz einfach kein breit aufgestelltes Schweizer Lifestyle-Magazin für Männer. Wenn, dann sehr spezifiziert, wie zum Beispiel nur für Autos, Fleisch oder Zigarren. Mit Gentlemag decke ich diverse Themen ab, die Männer interessieren.

Welche Themen sind das?

Man findet Genussthemen, wie Restaurants oder Weinempfehlungen. Als Wein-Autor konnte ich den NZZ-Weinredaktor Peter Keller, und als Gastro-Autor Alexander Kühn, bekannt als Gastrokritiker und Kochbuchautor von Andreas Caminada gewinnen. Das sind Experten, die solide schreiben. Das Feedback der Lesenden ist durchwegs positiv. In anderen Rubriken stelle ich Bekleidung und Hotels vor. Auch kleine, feine Schweizer Firmen und Events bekommen eine Plattform. Gerade für die ist es schwer, sich einem grösseren Publikum zu präsentieren. Immer wieder publiziert Gentlemag Interviews mit spannenden Männern, wie zum Beispiel Marco Jacconi – dem Schweizer Newcomer in der Kunstwelt. Alle zwei Wochen schreibt unsere Kolumnistin Simone Liedtke eine satirische Kolumne. Alles in allem ein abwechslungsreicher Inhalt zur Inspiration und Unterhaltung.

Sie lancierten das Magazin für Männer. Wird es von Männern oder eher von Frauen gelesen, die den Männern mit den Trouvaillen aus dem Magazin eine Freude bereiten wollen?

Gentlemag wird zu 80 Prozent von Männern gelesen. Der Nerv der Zielgruppe scheint getroffen zu sein.

Sie starteten 2019 mit Gentlemag, kurze Zeit später kam Corona. Wie lief der Start des Online-Magazins?

Er hatte gute und weniger gute Seiten. Zum einen war ich als Mutter extrem gefragt, mit drei Kindern im Homeschooling: Wer Kinder hat, weiss, was das bedeutet. Für den Aufbau eines Magazins sind persönliche Kontakte extrem wichtig. Durch die Einschränkungen ging das kaum, und ich hatte weniger Zeit. Andererseits war es spannend, denn die Leute hatten nun Zeit, sich mit einer Newcomerin in der Lifestyle-Online-Szene zu beschäftigen und lasen mein Magazin. Ich wurde kreativer, habe einen Online-Weihnachtsmarkt gestartet und über «Clubhouse» Talks organisiert zum Thema «Sich neu erfinden in Zeiten von Corona». Dabei kam der Kontakt mit vielen interessanten Leuten zustande, wie etwa dem ­Comedian Claudio Zuccolini. Wenn Corona nicht gewesen wäre, weiss ich nicht, ober er sich Zeit für mein Magazin genommen hätte.

Sie sind in Konstanz aufgewachsen, zogen für das Wirtschaftsstudium nach Zürich, arbeiteten in der Strategieberatung bei IBM. Später wechselten Sie zur Credit Suisse in das Strategieteam für Private Banking. Wie kommt man von diesem Background zur Lancierung eines Lifestyle-Magazins?

Mit der Geburt meines ersten Sohnes vor 12 Jahren entschied ich mich, erstmal eine Pause von der bezahlten Arbeit einzulegen, wollte aber trotzdem etwas neben dem Familienleben machen. Zufällig las ich die Stellenanzeige eines internationalen Lifestyleblogs, der einen Content-Creator für Zürich suchte. Ich bewarb mich und war überrascht, dass es klappte. Das waren hilfreiche Lehrjahre für meine heutige Selbständigkeit. Über die Zeit reifte die Idee, ein eigenes Magazin zu lancieren. Und schliesslich habe ich den Schritt gemacht. Ich wollte schon immer selbstständig arbeiten und kann heute meine Passion für das Schreiben und das E-Business, was mich bereits in meiner früheren Arbeitszeit faszinierte, ausleben. Heute bin ich überzeugt: Wenn man begeistert und passioniert ist, kann man fast alles lernen. Und nebenbei: Mit Gentlemag habe ich etwas geschaffen, bei dem ich mich verwirklichen kann.

Sie leben seit sechs Jahren mit der Familie in Zollikon, vorher waren Sie lange im Zürcher Seefeld zu Hause. Die drei Jungen sind sechs, zehn und zwölf Jahre alt. Alle gehen im Oescher zur Schule. Wie lebt es sich hier?

Zollikon ist einfach super. Es ist wie der «Foifer und s’Weggli». Einerseits die Stadtnähe, anderseits das Dörfliche, was vor allem für die Kinder ein grosser Vorteil ist. Sie wachsen viel freier auf als in der Stadt. Alle schauen hier ein bisschen zueinander. Nachdem wir hierhergezogen sind, luden wir erst einmal die neuen Freunde unserer Kinder ein und veranstalteten ein kleines Fest. Am Abend kamen die Eltern dazu. Einige Zolliker, die ich bereits vorher gekannt habe, organisierten Kaffee oder Abendessen mit ihren Bekannten, wodurch ich im Dorf noch mehr Leute kennenlernte. Damit hätte ich nie gerechnet. Das war grossartig. Wer aufgeschlossen ist, lernt in Zollikon schnell Leute kennen.

Mit Annette von Radowitz sprach Antje Brechlin

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