Zwischen fester Struktur und freiem Spiel

Das Chinderhuus feiert seinen 50. Geburtstag mit einem ­kunterbunten Fest und bedankt sich bei der Gemeinde.

Schon seit 50 Jahren wird im Chinderhuus gespielt und nebenbei ganz viel gelernt. (Bild: zvg)
Schon seit 50 Jahren wird im Chinderhuus gespielt und nebenbei ganz viel gelernt. (Bild: zvg)

In dem Haus wird gelacht, gespielt, gesungen, geschlafen und manchmal auch kurz geweint – und das seit 50 Jahren. Dieses Jubiläum wird das Chinder­huus am Samstag, 9. Juli, feiern, und zwar so bunt wie nur möglich. «Wir werden Stände auf dem ganzen Dorfplatz aufbauen – wie auf einem Markt», freut sich Andrea Tucci vom Vereinsvorstand. Es wird eine Hüpfburg geben, die Kinder können sich schminken lassen und auch Märchen zuhören. Es wird gebastelt und fotografiert, die Hiphop-Kurse des Freizeitzentrums werden gezeigt, und Jürg Bruhin präsentiert eine Kinder-Band. Für eine kulinarische Bandbreite sorgen Eltern und Mitarbeitende des Chinder­huuses und ehrenamtliche Helfer aus dem Café Fischvogel. Willkommen ist das ganze Dorf. «Wir wollen uns damit für die Unterstützung der ­Gemeinde und der Bürgerinnen und Bürger bedanken», betont ­Andrea Tucci. Offiziell eröffnet wird das Fest durch den neuen Gemeindepräsidenten Stefan Bührer.

Gegründet für Gastarbeiterkinder

Mit der Gründung der «Krippe ­Zumikon» auf Initiative von Hanni Bührer, damalige Präsidentin des Frauenvereins, zeigte Zumikon Mut zur Zukunft. Gegründet wurde der Verein ursprünglich für Gastarbeiterkinder – und schnell auch, um Müttern zu ermöglichen, sich zumindest zeitweise um etwas anderes als Haushalt und Kindererziehung zu kümmern. Untergebracht war die von Kinderkrankenschwestern geführte Krippe in der damaligen Zumikerstube – dort, wo heute das Bistro auf dem Dorfplatz steht. Nach drei Jahren zog die Krippe in das Jörg-Haus im Farlifang. Dann brauchte die Schule den Platz; die Gemeindeversammlung genehmigte daher 1982 einen Baukredit für den Neubau auf dem Dorfplatz. Die Bauleitung übernahm Vereinspräsidentin Vreni Näf. Schon zwei Jahre zuvor hatte die Gemeinde die ­Bedeutung der Kinderbetreuung erkannt und eine Defizitgarantie übernommen. «Nur mit dieser Garantie können wir kontinuierlich einen hohen Standard anbieten», unterstreicht Andrea Tucci. Dass dieser Standard wirklich erfüllt wird, wissen alle Eltern, die ihr Kind im Chinder­huus betreuen liessen oder lassen. Auf der einen Seite geben feste Strukturen und Rituale den Kleinen Orientierung, auf der anderen Seite kann sich jedes Kind individuell ­entwickeln. Tagesausflüge und das ­Lager im Frühling fordern die Mitarbeitenden und fördern die Mädchen und Buben. Eine Devise heisst «selber machen». Davon zeugt auch das Gemüsebeet im Garten.

Orientierung am Fortschritt

Wesentlich geprägt hat die Geschichte des Chinderhuuses, dem Michael Biro seit 14 Jahren als Präsident vorsteht, Brigitte Schenker, die über 16 Jahre die Krippe leitete. Sie hat auch an der Entwicklung ­einer spezifischen Ausbildung zur Kleinkinderzieherin mitgewirkt, später abgelöst vom Eidgenös­sischen Fähigkeitszeugnis EFZ «Fachperson Betreuung». Zu ihren Lehrfrauen zählte auch Martina Ehler, die seit 2005 das Haus leitet. Natürlich wurde vor zehn Jahren auch der 40. Geburtstag gefeiert. In ihrer Antwort auf die Einladung schrieb die ehemalige Gemeindepräsidentin Elisabeth Kopp: «Auf Gemeindeebene konnte ich vor 30 Jahren meine politischen Ideen (unterstützt von einem fortschrittlichen Gemeinderat) noch umsetzen. Als ich vor rund 30 Jahren die Forderung in Bern im Nationalrat nach Katalysatoren und bleifreiem Benzin stellte, stiess ich auf totales Unverständnis.»

Dass das Haus mit seiner Orientierung am Fortschritt gebraucht wird, zeigt die Warteliste, auf der die zukünftigen Chinderhuus-Kinder mit den kleinen Füssen scharren.

Samstag, 9. Juli, 11 bis 15 Uhr, Dorfplatz

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