Fortschritt

Als Grosseltern solle man seine Enkel nicht anreden mit: «Als ich in deinem Alter war …». So hiess es im Vortrag von Rudolf Steiger. Grosseltern? Ich selber sage das bereits als Mutter. Und zwar sehr oft im Zusammenhang mit Handy und Co. Aber mal ehrlich: Wenn mir mit 13 Jahren jemand Tiktok in die Hand gedrückt hätte, ich hätte es geliebt. Filmchen um Filmchen. Bei Instagram hätte ich einen Sonnenuntergang nach dem nächsten gepostet.

Telefonieren mit mehreren Freundinnen gleichzeitig und sie dabei auch noch sehen? Ich wäre ausgeflippt. In der Realität waren da Kommentare wie «Wieso müsst ihr schon wieder telefonieren? Ihr habt euch doch gerade erst in der Schule gesehen.» Wenn ich im Alter von 13 Jahren Whats­-App­-Nachrichten hätte verschicken ­können, hätte ich Hornhaut am Zeigefinger gehabt. Ich hätte mit Smileys nur so um mich geworfen. Seinerzeit waren das noch ­Kommentare wie (haha) oder (würg).

Und wahrscheinlich werden irgendwann meine Kinder vor ihren Kindern stehen und ihnen erklären, dass Weihnachten nicht mit der Virtual­-Reality­-Brille gefeiert wird. Sondern dass alle persönlich erscheinen müssen. Sonst gibt es keine Geschenke. Basta.

So schaut jede Generation zurück und wundert sich. Das nennt man eben Fortschritt. Aber wahrscheinlich musste sich auch der Erfinder des Rads anhören: Als ich in deinem Alter war, haben wir die Steine einfach getragen.

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