Wofür wir feiern

Keine gestapelten Holzscheite. Keine offenen Feuerstellen. Auch an der 1.-August-Feier im Ibruch fordert die Hitze ihren Tribut. Trotz des Verzichts auf Höhenfeuer und Feuerwerk feierten unter dem Zeltdach zahlreiche Zumikerinnen und Zumiker.

Kurz vor Beginn der Feierlichkeiten schieben sich Wolkenfetzen vor die Abendsonne. Windböen säuseln um das noch nahezu leere Festzelt und wehen den einen und anderen Liedtext zu Boden. Gymnastikgruppe und Mädchenriege treffen letzte Vorbereitungen. Getränke werden gekühlt, Plastikbecher bereitgestellt, Augustlichtlein auf den Tischen platziert. Nebst dem Samariterverein und der Feuerwehr Zumikon ist auch der Verschönerungsverein mit Vizepräsident Heinz Wachter vor Ort. Mit zwei Gasgrills, Cervelats und Bratwurst. Wie Paola Hofstetter erzählt, wartet die diesjährige Augustfeier gleich mit zwei Neuheiten auf: Zum einen dürfen sich Gäste erstmals über vegane Würste freuen. Zum anderen steht für all jene, die nicht gut zu Fuss sind,
ein Transportdienst zur Verfügung. Gesponsert von der Inter-Community School Zurich (ICS) von Zumikon. Diese Offerte nehmen immerhin 14 der über 170 Besucherinnen und Besucher in Anspruch.

Gemütlich, doch feierlich

Während Peter Fässler auf seiner Handorgel das erste Musikstück ­anstimmt, treffen mehr und mehr Gäste ein. Das Alphornbläser-Duo Wassberg stösst dazu, und bald schallen auch ihre Töne hinaus in die Gemeindeluft. Die Schatten über den sanften Hügeln, den Wäldern und Feldern Zumikons und den fernen Alpen wachsen länger. Eine feierliche, doch rundum gemütliche Atmosphäre stellt sich ein, untermalt von Peter Fässlers Mundartliedern, den Alphörnern, der Harmonie Zumikon. Ein wenig fühlt es sich an wie eine grosse Familienfeier. «Man sieht immer die gleichen Gesichter, jedes Jahr», erzählt eine Feiernde ihrer Begleitung.

Manche vermissen das Höhenfeuer, das Feuerwerk und die offenen Feuerstellen, über denen die Gäste sonst ihre Würste bräteln konnten. «Schade, das gehört eigentlich dazu», findet der eine. «Das würde die Aussicht noch viel schöner machen», meint ein anderer. Doch sie alle stehen hinter dem Beschluss des Kantons, das Feuerverbot zu verhängen. «Beim 1. August geht es ja eigentlich auch um etwas anderes als ums Feuer.» Das betont der neue Gemeindepräsident Stefan Bührer auch in seiner Festansprache.

Warum sich das Feiern lohnt

Das Stimmengewirr nimmt zu. Zusehends verlieren sich einzelne Worte und Sätze im auditiven Chaos. Die Bänke füllen sich, Kinder mit Lampions spazieren am Zelt vorbei. Es braucht ein paar Anläufe, ehe dem Gemeindepräsidenten die Aufmerksamkeit aller Feiernden zu­teilwird. Als es soweit ist, erinnert er an den Anfang des Jahres 2022. An Coronas Omikron-Variante. Ans Ende der Massnahmen. Den Ausbruch des Ukrainekriegs. «Ein Jahr, das in die Geschichtsbücher eingehen dürfte. Leider nicht nur positiv», meint Stefan Bührer. Die Corona-Jahre hätten manches aufgezeigt. Beispielsweise, dass sich in einer Demokratie nun einmal alle äussern dürfen, was zu Diskussionen führe. Und Diskussionen, so erhitzt sie auch sein mögen, führten zu Kompromissen. Für Stefan Bührer eine Stärke der Schweiz, die sie von anderen Ländern abhebt. Seiner Meinung nach spaltete Corona die Bevölkerung keineswegs. Im Gegenteil: Die Krise brachte die Menschen zusammen. Plötzlich wurde die Hilfsbereitschaft zwischen Verwandten, Bekannten und Nachbarn zu einer Selbstverständlichkeit. Man konnte sich aufeinander verlassen. Die Schweiz halte im Krisenfall zusammen. Das System funktioniere. Dafür sorge jeder Einzelne, indem er ein Stück weit Eigenverantwortung übernehme. Vom Zugführer über die helfenden Hände des Verschönerungsvereins bis zur Politikerin: Zuletzt seien es die kleinen Getriebeteile, die das Ganze am Laufen halten. «Darauf können wir in der Schweiz stolz sein. Das lohnt es, heute zu feiern.»

Nach diesem Schlusswort von Stefan Bührer stimmt die Harmonie Zumikon die Nationalhymne an. Alle Gäste erheben sich und singen nach zwei Jahren endlich wieder gemeinsam von Morgenrot und Alpenfirn. Längst ist die Nacht hereingebrochen und Regenwasser tropft vom Zeltdach. Als sich das Festzelt bereits spürbar leert, hallt zwischen Tisch und Bänken noch Peter Fässlers Version von «Oh läck du mir».

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