Gefrässige Neophyten-Vernichter

Seit Ende Mai weiden sechs Turopolje-Schweine im Zolliker Wald. Die Allesfresser werden in einem Pilotprojekt im Kampf gegen das invasive Henrys Geissblatt eingesetzt. Die abgegrenzten 2000 Quadrat­meter sind kahlgefressen und die Schweine haben die Erde tief durchpflügt. Kann man schon von einem Erfolg sprechen?

Noch vor zweieinhalb Monaten war das abgesteckte und mit einem doppelten Elektrozaun umzäunte Areal meterhoch mit ­Henrys Geissblatt überwuchert. Jetzt ist da nur noch schwarze Erde, ein paar abgefressene verdörrte Pflanzenstränge und vereinzelt mal ein grünes Blatt. Es scheint, als hätten die kroatischen Turopolje-Schweine des Küsnachter Schweinehirten Nils Müller ganze Arbeit geleistet. Doch Christian Wiskemann von Naturnetz Pfannenstil bremst die Euphorie. Ob wirklich das gesamte Wurzelwerk von Henrys Geissblatt erwischt wurde, kann jetzt noch nicht beurteilt werden. Ein Indikator für den Erfolg sei aber, je durchwühlter der Boden, desto mehr Wurzelwerk ist zerstört. Da aber noch vereinzelt grüne Blätter zu sehen seien, hätten die Vielfresser wohl noch nicht alles erwischt. Allerdings seien sie extrem fleissig und verfressen, was aber in ihrer Natur liege. Die Schnauze der Turopoljes ist nämlich wie ein elastischer Pflug angelegt, beweglich und stark. Damit durchpflügen und durchsuchen sie die Erde nach allem Fressbaren. Sie buddeln, reissen und zerren an den Wurzeln der Pflanzen und zerstören sie im besten Fall. Ob pflanzlich oder tierisch, was den Schweinen vor die Schnauze kommt wird vertilgt, denn deren Riechorgan ist mit mehr als 15 000 Geschmackspapillen ausgestattet – Menschen zum Vergleich haben nur 10 000. Die Schweine nehmen Geschmacksqualitäten also stärker wahr; sie könnten zum Beispiel auch für die Trüffel­suche eingesetzt werden.

Wiederbegrünung

Mit dem jetzt durchpflügten Feld ist die Natur aber bestens auf eine natürliche Verjüngung vorbereitet. Im Normalfall wird die Waldfläche schnell wieder grün – die Hoffnung ist gross, dass Henrys Geissblatt ­dezimiert wurde. Derzeit kann das aber noch nicht beurteilt werden, frühestens im kommenden Frühjahr werden erste Ergebnisse sichtbar sein. Das Pilotprojekt des Kantons, gemeinsam mit dem Naturnetz Pfannenstil und der Zolliker ­Gemeinde läuft noch bis 2024. Bis dahin werden die Turopoljes mehrmals im Jahr auf die Zolliker Waldweide gestellt. Wäre das Projekt erfolgreich, ist es gut möglich, dass die Waldbeweidung mit Schweinen auf die Gemeinden Küsnacht und Zumikon ausgedehnt wird. Deren Flächen sind nämlich auch stark von Henrys Geissblatt befallen.

Nachwuchs garantiert

Für Turopolje-Nachwuchs ist bereits gesorgt: Auf dem Hof von Nils Müller haben zwei Säue 19 Ferkel zur Welt gebracht, die nun im kommenden Jahr zusätzlich den Zolliker Wald durchpflügen könnten, um bei der natürlichen Neophytenbekämpfung zu helfen.

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