Ü-50 am Zürichsee

Auch beim Handicap-Fischen der Zolliker Sportfischer geht es um die Länge.

Am Morgen waren sie mit zehn Booten gestartet, am frühen Nachmittag kamen die Zolliker Fischer mitsamt ihren Gästen bei schönstem Sonnenschein wieder zurück. Nach zwei Jahren Pause konnte am vergangenen Samstag wieder das Handicap-Fischen der Zolliker Sportfischer stattfinden. Es ist eine Inklusionsveranstaltung ohne grosse Reden, ohne grosses Drumherum. «Durch unseren 111er-Club, der uns sponsert, können wir das spezielle Angebot ­machen», erklärt Balz Zwahlen. Es werden Institutionen für Menschen mit Beeinträchtigungen angeschrieben. Wer kommt, kommt und darf aufs Boot.

Eine, die von Anfang an treibende Kraft war, ist Ursula Honegger. Und auch an diesem Samstag ist sie überall zur Stelle. Hilft einem Rollstuhlfahrer, organisiert Getränke, sammelt leere Teller ein. Auch Hans Ruedi Zimmermann aus Uster ist mit von der Partie. Schnell sind Männer da, um den schweren Rollstuhl vom Schiff an Land bringen. «Gefangen habe ich nichts, aber es hat unendlich viel Spass gemacht», freut sich der Senior. Es sei einfach schön, in der Natur zu sein, ausserdem gebe es jetzt feines Essen und einen guten Wein. Wie könnte man da nicht zufrieden sein?

Aufwind für den Angelsport

Grundsätzlich hätte die Corona-Zeit dem Angelsport nochmals Aufwind gegeben, erklärt Balz Zwahlen. «Wir hatten schon vorher viele Anfragen, aber in der Pandemie sind viele Väter mit ihren Kindern an den See und haben die Fischerei für sich entdeckt.» Was ihm in Zollikon fehlt, ist die Jugend. Er selber kommt vom Greifensee, da gebe es viele Kinder und Jugendliche mit der Angel. «Aber das städtische Umfeld ist ganz anders. Da ist Vereinsleben nicht so gefragt.» Persönlich habe er heute noch Freunde, die er einst als Jugendlicher eben beim Fischen kennengelernt habe. «Zusammen etwas zu erleben, ist doch etwas anderes, als sich nur Bilder und Textnachrichten übers Natel zu schicken.»

In erster Linie war der Samstag für die Gäste mit Handicap da. Aber Fischer sind Fischer, da geht es auch immer um den Fang. «Wir haben einen Ü-50», ist plötzlich zu hören. Die Männer strömen zusammen. Tatsächlich hat einer der Fischer eine Felche mit strammen 51 Zentimetern aus dem See holen können. Am Nebentisch wird gefachsimpelt. Auch mit Sportfischern aus Horgen, die zur Unterstützung mit vier ­Booten gekommen sind. Zwischen ihnen steht Aleandro. Der elfjährige Knabe ist der Beweis, dass der Nachwuchs nicht komplett fehlt. Ob er es nicht langweilig findet, schweigend am See sitzen? Er schüttelt nur den Kopf, ist wohl von Natur aus kein Freund grosser Worte.

Natürlich wird nicht nur geredet und gemessen, es wird auch gegessen. Zur Vorspeise gibt es knusprige Eglis, die nicht frischer sein könnten. Doch beim Hauptgang setzt auch der Fischer aufs Fleisch und lässt sich das Steak schmecken. Das sollte auch Kraft für den Sonntag geben. Da stand das Zürichsee-Fischen des Verbandes an, bei dem sich die Vereine messen und es um die Plätze ging.

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