«Meine schönste Ausstellung»

In der Villa Meier-Severini zeigt Balz Bächi seine Vielseitigkeit. Mit Humor und Scharfsinn.

Es ist nicht überraschend, dass so viele nackte Frauenkörper in der aktuellen Ausstellung von Balz Bächi zu sehen sind – sind sie doch seit vielen Jahren eines ­seiner beliebtesten Motive. Diese Körper sind würdevoll dargestellt. Wohl proportioniert ebenso. Die ­Busen prall, die Hüften rundlich, die Scham meist unbedeckt. Die Frauen schauen verträumt oder hingebungsvoll. Und doch erstaunt es, in welchen Positionen Frauen offenbar gerne nackt sind: an der Violine, am Klavier, beim gedankenverlorenen Spiel, sogar an der Schreibmaschine. Doch im Zeichen der Gleichberechtigung zeigt die Ausstellung auch einige wenige männliche Akte. Die Faszination des menschlichen Körpers ist ein Aspekt. Es gibt viele weitere, die die Vielseitigkeit des 85-jährigen Zollikers zeigen. Ein Werk dieses Jahres zum Beispiel – ein Blick über den Zürichsee. Es könnte fast ein bisschen kitschig sein mit dem Wasser, den Segelbooten, den Hügeln. Aber oft genug ist dieser Anblick Realität. Der Zürichsee ist wunderschön und entzieht sich dem Vorwurf des Kitsches.

Balz Bächi hat nach der Matura nicht den Weg an die Universität ­gewählt. «Ich habe einen Schritt zurück gemacht», erinnert er sich gerne. Er wurde Grafiker, gab nebenbei Konzerte als Flötist (das letzte im Jahr 2015) und ging als Art-Direktor zu einer Werbeagentur in New York. Nach seiner Rückkehr zeichnete er Cartoons, Comics, Karikaturen. Auch aus dieser Zeit sind Exponate zu sehen. Da ist ein Max Frisch, da sind tiefgründige Bilder-Geschichten, die Balz Bächis scharfsinnigen Humor demonstrieren. Probeskizzen aus dem Schauspielhaus zeigen dagegen, wie schnell der Zeichner Situationen einfangen kann. Nur wenige Striche, und die Stimmung ist erfasst. Der Gang durch die Räume zeigt, wie neugierig der Künstler stets war, zeigt seinen Mut, sich ­immer wieder neu zu erfinden. Er profilierte sich als Textildesigner, schuf Plastiken und entwarf Plakate, die mit Preisen bedacht wurden. Da sind grossflächige Werke, laut und fordernd. Und da sind ganz kleine Exponate – wie das Selbstportrait oder zwei Hände, die sich fast zärtlich berühren.

Vor rund 40 Jahren erst wandte sich Balz Bächi der Malerei zu. Noch heute sucht er fast täglich in seinem Küsnachter Atelier neue Wege, um sich auszudrücken. Finanziell früh unabhängig, kann er auch in Projekte wie in Italien oder Tibet investieren. Ein Schwerpunkt ist die Restaurierung des bedeutendsten barocken Kirchenbaus in Morbegno (Italien).

Balz Bächi geht gerne durch die Ausstellung: «Das ist meine schönste.» Dabei schaut er nicht auf die Bilder, sondern lässt den Blick schweifen durch die grossen und hohen Räume, die immer wieder den Blick auf den Zürichsee frei geben. Schön – aber nicht kitschig.


Werkbiographie Balz Bächi bis zum 18. Dezember. Öffnungszeiten: Freitag, 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag, 13 bis 17 Uhr, Villa Meier-Severini

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