Samichlaus versus Weihnachtsmann

Im neuen Buch von Stefan Frey und Sämi Weber treffen die beiden Männer aufeinander: Es kommt sogar zum Streit.

Mit seinen 62 Jahren ist Stefan Frey noch ein bisschen Lausbub geblieben. Das lebt der gebürtige Zolliker auch in seinen Büchern aus. (Bild: zvg)

Die Adventszeit macht es den Kindern nicht leicht. Völlig neue Personen kommen plötzlich ins Spiel. Da gibt es den Samichlaus und den Schmutzli, den Weihnachtsmann oder das Christkind. Von Engeln ist die Rede, und manchmal fliegt auch noch der Coca-Cola-Santa­claus mit seinem grossen Truck vorbei. Diese komplexe Situation haben sich Stefan Frey und Sämi Weber für ihren neuen Band der Reihe «Samichlaus und Schmutzli» vorgenommen. Im sechsten Buch «Santa der Weihnachtsmann» treffen Samichlaus und Weihnachtsmann aufeinander und werden verwechselt. Sie sehen sich einfach zu ähnlich. Dabei gibt es beim genaueren ­Hinsehen schon Unterschiede. Samichlaus besucht die Kinder am 6. Dezember, der Weihnachtsmann an Weihnachten. Samichlaus und Schmutzli bringen Nüsse und Mandarinen, der Weihnachtsmann ­dagegen Geschenke. Samichlaus kommt mit einem Esel, der Weihnachtsmann mit Rentieren. Leider fliegt der Weihnachtsmann im neuen Buch mit seinem Schlitten ausgerechnet ins Waldhüsli, wo sich Samichlaus und Schmutzli auf den Besuch bei den Kindern vorbereiten. Nach einem Streit, bei dem ­beide behaupten, der richtige Samichlaus zu sein, gelangen sie schliesslich zur Einsicht, dass sie das Gleiche wollen. «Es gibt schlussendlich eine grosse Gemeinsamkeit», erzählt Stefan Frey.

Erst der Traum, dann das Buch

Der Grafiker tauchte nach seiner Ausbildung in Zumikon in die Welt der Werbeagenturen ab, arbeitete auch ein Jahr in New York, wurde Art und Creative Director. Während seiner Arbeit lernte er den Texter Sämi Weber kennen. «Wir haben damals schon davon geträumt, gemeinsam ein Kinderbuch zu machen», erinnert sich der Grafiker, der in Zollikon aufgewachsen ist – und mit dem Ort immer noch verbunden ist. «Ich bin mindestens an jedem Chilbi-Montag da.»

Ehe aus dem Traum Wirklichkeit wurde, vergingen ein paar Jahre. Die beiden wurden Väter, und da Sämi Weber selber als Zürcher ­Samichlaus unterwegs war, lag die Idee auf der Hand. Diese hat mittlerweile viele Gestalten. Neben dem Weihnachtsmann gibt es zum Beispiel ein Eichhörnchen und ein Rotkehlchen. «Zu jedem Buch gehört noch eine CD mit einem Hörspiel», erläutert Stefan Frey. Er erinnert sich an einen Besuch in der Türkei, im Geburtsort des Weihnachtsmanns. Historisches Vorbild war der Bischof von Myra an der Mittelmeerküste, der am 6. Dezember 343 starb. «Da stand neben dem Nikolaus als Statue im Bischofsgewand und einem mit roter Kutte wie der Zürcher-Samichlaus auch noch der Coca-Cola-Santaclaus», lacht der Grafiker. Er weiss noch, wie er als kleiner Junge am Vorabend des 6. Dezember die Stiefel vor die Tür gestellt hat. Auch seine Kinder übernahmen die Tradition. «Wir haben einmal eine Szene aus dem Buch bei uns zu Hause gespielt. Meine Tochter glaubte damals eigentlich nicht mehr an den Samichlaus, kam aber doch nochmals ins Zweifeln.» Irgendwann weiss jedes Kind, dass sich da jemand verkleidet hat. «Und so gingen unsere Grossen zum Nachbarn, der bei uns jeweils in die Rolle geschlüpft ist, und gaben ihm einen Zettel mit Informationen über uns Erwachsene. Sie haben den Spiess einfach umgedreht.»

Wichtig ist, dass der Samichlaus schon lange nicht mehr der strafende Mann ist, vor dem sich die Kinder verstecken oder mit zittriger Stimme ein Gedicht aufsagen. Und so kommt auch mit dem neuen Santa-­Buch ein bisschen Witz und Weihnachtsstimmung daher.


Santa der Weihnachtsmann
ISBN 978-3-905884-30-2
Nikki-Pieps-Verlag

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