Rossini verzaubert das Publikum

In Zollikon singt, spielt und überrascht die Zürcher Kammeroper mit Rossinis Opera buffa – «Die verkehrte Braut». Die komische Oper führt zweieinhalb Stunden mit leidenschaftlich Musik durch eine Welt voller Verstrickungen.

(Bild: fs)

Wer denkt, ein Werk von Gioachino Rossini lasse sich nur in einem Opernhaus aufführen, liegt falsch. Der 19-jährige Rossini komponierte «L’equivoco stragante» – «Die verkehrte Braut» nach einem Libretto von Gaetano Gasbarri. Die Uraufführung dieser Opera buffa in zwei Akten fand 1811 in Bologna statt. 212 Jahre später überrascht die Zürcher Kammeroper mit diesem Werk in Zollikon. Der Gemeindesaal bietet zwar keine Logen wie ein Opernhaus, und das Orchester sitzt nicht im Graben, sondern auf dem Parkett. Diese Nähe zum Publikum findet jedoch nicht nur Freundinnen und Freunde, sondern auch Gönner. Interessant ist die Übertitelung, welche in den grossen Häusern zum Standard gehört. Dafür wurde die Rolle des Geschichtenerzählers geschaffen. Doktor Lauber, ein Germanist, der italienische Literatur erforscht, führt durch das Werk mit viel Esprit und einer offensichtlichen Bewunderung für italienische Kultur – Bella Italia.

Grossartiges Ensemble

Die Handlung ist eine Mischung aus Klischee, Machismo, Amore, Eifersucht und Leidenschaft. Der neureiche Patriarch Gamberotto, gesungen vom Bariton Cheyne Davison, hat seine schöne, bildungshungrige Tochter Ernestina einem älteren Mann mit viel Geld und wenig Feingefühl versprochen. Buralicchio, der Verlobte, verkörpert die Rolle des Skrupellosen in dieser komischen Oper – ein eitler Geck mit Zigarren. Dem Bassbariton Erich Bieri ist die italienische Sprache nicht fremd; er hat unter anderem bei Professor Fernando Bandera in Mailand studiert. Wie es kommen muss, taucht ein junger Nebenbuhler auf, der sich als Philosophielehrer Ermanno der Tochter nähert. Der französische Tenor François Pardailhé erobert Ernestina nicht nur philosophisch, sondern vor allem sängerisch. Das Hauspersonal übernimmt für die junge Liebe eine wichtige Rolle. Besonders Rosalia weiss, wie man mit italienischen Männern umgeht. Auch Judith Lüpold singt sich mit ihrer Altstimme in die Herzen des Publikums. Die Zürcherin Julia Schiwowa verzaubert als Ernestina mit ihrem lyrischen Sopran wie auch mit ihrer Eleganz. Und der Chor der sieben Köche im Dienst des Patriarchen bringt viel Komik in das Werk. Der Applaus mit Bravorufen und Stampfen klingt fast wie in italienischen Opernhäusern.


Noch bis 15. Januar: www.zuercher-kammeroper.ch

Anzeige