Zollikon Zumikon

Die Aufräumarbeiten dauern bis zu drei Monate

Förster Arthur Bodmer ist für die Waldgebiete in Zollikon und Zumikon zuständig. Er erklärt, warum es sich bei den meisten der vom Sturm umgeworfenen Bäume um Fichten handelt und warum es schädlich ist, diese zu lange liegen zu lassen.

Anfang letzter Woche fegte das Orkantief Sabine über die Schweiz. Auch unsere Region war stark davon betroffen, in den Wäldern in Zollikon und ­Zumikon sind zahlreiche Bäume umgestürzt oder umgeknickt. Zum Glück wurde niemand verletzt, doch entstanden an verschiedenen Orten Sachschäden, vor allem verursacht durch umgestürzte Bäume (der ZoZuBo berichtete). Bei den beschädigten Bäumen handle es sich in erster Linie um Fichten, sagt Arthur Bodmer. Der Förster der Holzkorporation betreut die Waldgebiete von Zollikon und Zumikon. «Fichten sind Flachwurzler und deshalb anfälliger als andere Bäume, bei hohen Windgeschwindigkeiten umzustürzen.» Ausserdem sei der Fichtenbestand in der Region recht hoch. «Früher galt die Fichte wirtschaftlich als sehr interessanter Baum, nicht zuletzt wegen des begehrten Bauholzes», erklärt Arthur Bodmer. Durch ihr flaches Wurzelwerk habe sie jedoch Mühe, sich mit Wasser zu versorgen, was angesichts der immer trockeneren Sommer zunehmend problematisch sei.

Nun gilt es, die auf dem Waldboden liegenden Fichtenstämme möglichst rasch zu entfernen. Denn im Frühling sei dieses herumliegende Holz eine ideale Brutstätte für den Borkenkäfer. «Je mehr vom Sturm umgeworfene Fichten herumliegen, desto stärker kann sich der Borkenkäfer darin ausbreiten und in einem nächsten Schritt auch gesunde ­Bäume in der Nähe befallen», sagt der Förster. «Darum sind wir bei der Entfernung der Fichten etwas im Zugzwang.»

Wettlauf gegen den Borkenkäfer

Nach einem Sturm wie Sabine ist es erste Priorität, die Waldwege und Strassen von umgestürzten Baumstämmen zu befreien. Mit dieser Arbeit haben Arthur Bodmer und sein Team bis Mitte letzter Woche warten müssen, weil die Lage im Wald bis am Dienstag noch zu unsicher gewesen sei. «Wir arbeiten mit Gehörschutz und Motorsäge und können deshalb von umstürzenden Bäumen oder herabfallendem Astwerk überrascht werden», sagt der Förster dazu. Alle Waldwege konnten dann jedoch rasch wieder zugänglich gemacht werden. Die weitaus grössere Arbeit besteht darin, das angefallene Sturmholz aufzuarbeiten. Dieser Wettlauf gegen den Borkenkäferbefall kann sich nach Einschätzung von Arthur Bodmer schon noch zwei bis drei Monate hinziehen. Der Borkenkäfer, der die Fichten befällt, heisst «Buchdrucker» und spürt ebenfalls den Frühling, denn sobald die Temperaturen etwas steigen, wird er aktiv und breitet sich in dem herumliegenden Holz aus.

Arthur Bodmer und sein Team ­haben derzeit also genug zu tun. Seine Mitarbeiter sind zwei Forstwarte und zwei Lernende. Noch ist der Chef zuversichtlich, dass diese Manpower ausreicht, um den Kampf gegen den Borkenkäfer zu gewinnen. Dies auch, weil Sabine ein vergleichsweise harmloser Sturm gewesen sei. Anders war das bei «Lothar» im Dezember 1999, als weitaus grössere Schäden zu beklagen gewesen seien. «Zu jener Zeit standen nicht nur wir, sondern auch die Feuerwehr und der Zivilschutz im Dauereinsatz», erinnert sich Arthur Bodmer.

Momentan arbeiten der Förster und seine Mitarbeiter beim Feufbühl in der Nähe der Keltengräber im Zollikerberg. Hier hat der Sturm besonders viele Bäume gefällt – auch hier vorwiegend Fichten. Arthur Bodmer zeigt auf einen Baum, den es auf besonders spezielle Weise erwischt hat – fast erinnert das mehrfach gewundene Holz bei der Bruchstelle an ein von Menschenhand geschaffenes Kunstwerk. Doch so eindrücklich das Gebilde anzusehen ist, so gefährlich kann es sein, es zu beseitigen, wenn man nicht vorsichtig vorgeht. «Hier sind zum Teil unberechenbare physikalische Kräfte im Spiel, die man in Betracht ziehen muss, bevor man erstmals die ­Motorsäge ansetzt», sagt Arthur Bodmer. Zum Glück verfügen er und sein Team über das nötige Know-how und über die richtige Ausrüstung, um auch mit solch «komplizierten Brüchen» umzugehen. Liegen die Stämme einmal am Boden, werden sie aufgerüstet, in fünf Meter lange Stücke zerlegt und mit der Seilwinde vorgerückt. Dann werden sie aufgeladen, an zentralen Lagerplätzen aufgeschichtet und anschliessend verkauft.

Rund zwei Drittel der Waldfläche in Zollikon gehören der Holzkorporation Zollikon, rund 190 von insgesamt 285 Hektaren. Die restliche Fläche verteilt sich auf den Bürgerverband Alt-Zollikon, die Gemeinde Zollikon und Privatwaldbesitzer. Auch diese Gebiete werden von den Mitarbeitern des Forstbetriebs betreut. In Zumikon gehört der Grossteil des Waldes Privatpersonen, rund 123 Hektaren. Die Gemeinde Zumikon ist im Besitz von ca. 12 Hektaren. (chi)

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