Zollikon Zumikon

Wie meistern Lernende die Abschlussprüfungen?

 

Die aktuelle Situation wirkt sich stark auf die Lehrabschlussverfahren aus und führt zu unterschiedlichen Vollzugsformen, nicht nur für die FAG-Ausbildung. (Bild: pixabay)

 

Für rund 75 000 Schweizer Jugendliche war lange unklar, ob und in welcher Form sie dieses Jahr ihre Grundausbildung abschliessen können. Inzwischen steht fest: Der schriftliche Teil der Lehrabschlussprüfung (LAP) fällt schweizweit weg und wird durch die Erfahrungsnoten aus den Vorjahren ersetzt. Der praktische Teil soll aber, wo immer möglich, in angepassten Varianten durchgeführt werden. Wie erleben das dieser Tage die Lehrlinge aus Zollikon und Zumikon? Wir haben uns bei einigen umgehört.


Dustin Amweg, Zumipark, Zumikon:

«Seit letztem Sommer bin ich bei der Alters- und Pflegeresidenz Zumipark und wiederhole hier meine Abschlussprüfung zum Koch. Bei uns fallen neben dem theoretischen Teil auch die Fachgespräche gänzlich weg. Die praktische Prüfung findet im Ausbildungszentrum WäBi in Wädenswil statt, allerdings in einer verkürzen Version von 4–5 Stunden. Damit wir die Auflagen des BAG einhalten können, sind wir weniger Personen in der Küche und werden nicht alle Gerichte zubereiten, die geplant waren. Zudem werden die Prüflinge in zwei Gruppen eingeteilt, damit nicht zu viele Personen miteinander in Kontakt kommen. Unsere Aufgabe besteht darin, anhand einer vorgegebenen Lebensmittelliste einen Warenkorb zu erstellen, woraus wir ein Fischgericht zubereiten sollen. Zudem wird uns am Prüfungstag ein vorgegebenes Rezept für das Kreieren eines Fleischgerichts sowie einer Süssspeise zugeteilt.»

Rümeysa Polat, Leemann + Co., Zollikon:

«Meine Lehre zur Wohntextilgestalterin absolviere ich beim Innendekorationsbetrieb Leemann + Co. in Zollikon. Da unsere Berufsgruppe eher klein ist, können wir die praktische Abschlussprüfung Ende Mai wie geplant im Ausbildungszentrum des Verbands der Fachgeschäfte für Inneneinrichtungen, interieursuisse, im solothurnischen Selzach absolvieren. Zum einen werden wir dort sieben verschiedene Aufgabenstellungen zum Nähen von Kissen, Vorhängen und anderen Wohntextilien erhalten. Zusätzlich werden wir in einem 30-minütigen Verkaufsgespräch, das wir selber protokollieren, auf unsere Fachkompetenz geprüft. Dazu sind technische Zeichnungen und Skizzen anzufertigen, die ebenfalls bewertet werden. Die kreative Arbeit macht mir grossen Spass, auch, da sie abwechslungsreich und herausfordernd ist. Künftig möchte ich entweder Textildesignerin oder Restauratorin von Kunstgemälden werden.»

Nicolas Böckli, Müller & Partner Schreinerei, Zollikon:

«Meine Lehre zum Schreiner schliesse ich diesen Sommer bei
der Müller & Partner Schreinerei in Zollikon ab. Den praktischen Teil der LAP – das Herstellen und Dokumentieren eines Möbels nach Wahl – konnte ich ohne Probleme im Betrieb selber absolvieren. Unsere praktische Arbeit mussten wir zum Schluss im Kurszentrum präsentieren, was sich bei einigen meiner Kollegen um etwa zwei Wochen verzögert hat. Ich selber konnte die Präsentation sowie das Fachgespräch allerdings wie geplant durchführen. Natürlich mussten dabei die Vorgaben des BAG eingehalten werden, was aber gut möglich war. Zudem kann ich eine praktische Teilprüfung aus dem 3. Lehrjahr, die ich damals nicht bestanden habe, Ende Mai ebenfalls nachholen. Der Schulunterricht läuft bis im Juni weiterhin online von zuhause aus. Leider kann aber unser Abschlussfest nicht stattfinden, was ich schade finde.»

Dilara Oezseven, Bachmann Architekten, Zollikon:

«Seit 2016 absolviere ich die Lehre als Hochbauzeichnerin bei Bachmann Architekten in Zollikon. Der Beruf gefällt mir sehr, die Zeit während Covid-19 war und ist allerdings nicht einfach. Wir arbeiteten teils im Homeoffice und teils im Büro, Schulunterricht hatte ich zu Hause per Videochat. Die praktischen Prüfungen finden nun im Juni statt. Das finde ich wichtig, da alles, was wir im Berufsalltag können müssen, geprüft wird und man auch die Berufstheorie im Griff haben muss, um zu bestehen. Drei der fünf Prüfungsthemen (Details, ­Arbeitsprobe und Aufnahme/Skizze) werden wir im Büro absolvieren. Die Fachgespräche finden in der Schule statt. Ich hoffe nun, dass ich und meine Schulkameraden auch bei diesen veränderten Verhältnissen die Prüfungen bestehen.»

Mustafa Yildirim, Fröhlich Info AG, Zollikon:

«Ich werde im August meine Lehre als Polygraf EFZ nach vier Jahren Ausbildung beenden. Nun gibt es wegen der Corona-Lage teils keine Abschlussprüfungen. Bei den Polygrafen ist es so, dass weder die schriftliche noch die praktische Prüfung stattfindet. Ich persönlich fing schon nach dem Neujahr
an, für die schriftliche Prüfung zu lernen, indem ich aus den drei vergangenen Lehrjahren Aufgaben repetierte. Wir Polygrafen haben viel Schriftliches im ersten Lehrjahr ­gelernt, weil wir da viermal in der Woche Schule hatten. Ich konnte natürlich nicht vorhersehen, dass keine Prüfungen stattfinden würden. Anstatt der schriftlichen Prüfungen zählen bei uns die Erfahrungsnoten aus allen sieben Semestern und anstatt der praktischen Prüfungen werden meine beiden Lehrmeister einen Bewertungsraster ausfüllen und meine Arbeit im Betrieb über die vier ­Jahre hinweg bewerten. Ich finde das eine faire Option. Somit haben wir trotzdem einen Abschluss mit ­allem, anstatt dass uns etwas fehlt. Geplant war auch ein Lager mit ­allen Polygrafen von Zürich für die Prüfungsvorbereitung. Natürlich wurde das auch abgesagt.»

Marcia Texeira, Amavita Apotheke, Zumikon:

«Ich absolviere seit 2017 meine Lehre zur Pharma-Assistentin bei der Amavita Apotheke in Zumikon. Meine praktische Abschlussprüfung fand Anfang Mai im Betrieb statt. Während etwas mehr als einer Stunde wurde ich von zwei Experten auf mein Fachwissen und meine Verkaufskompetenz geprüft. Dafür wurden unter anderem verschiedene Beratungs- und Verkaufsszenarien simuliert – von alltäglichen bis hin zu aussergewöhnlichen Fällen. Zudem wurden mir diverse Fragen zur Betriebsorganisation gestellt. Spätestens Anfang Juli sollte ich die Prüfungsresultate erhalten. Ich hoffe, alles bestanden zu haben, denn der Beruf gefällt mir sehr, vor allem die Abwechslung und der tägliche Kundenkontakt. Ich würde künftig gerne weiterhin in einer Apotheke arbeiten.»


Valentin Kälin

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