«Das Eidechsenkind» von Vincenzo Todisco

Buchtipp von Yvonne Rüegg, Bibliothekarin Zumikon

Der Autor Vincenzo Todisco, als Sohn italienischer Einwanderer in Stans geboren, studierte Romanistik in Zürich. Das Eidechsenkind ist sein erster Roman in deutscher Sprache und war letztes Jahr für den Schweizer Buchpreis nominiert. Der Roman erzählt die Geschichte eines Gastarbeiterkindes, das jahrelang im Versteck leben muss.

Die Eltern kommen in den 1960er Jahren aus Italien in das Gastland. Sie wollen hier arbeiten, um sich ein besseres Leben in der Heimat leisten zu können. Ihr Kind bleibt zuerst bei der Nonna. Die Sehnsucht der Mutter wird jedoch immer grösser und das Kind wird illegal in das Gastland geholt. Das Kind, so wird es im Roman genannt, lebt nun fortan in der Wohnung. Hier muss es sich verstecken im Schrank, unter dem Sofa oder in der Abstellkammer. Das Kind beginnt seine Schritte zu zählen, nicht um seine Zeit zu vertreiben, sondern weil es ganz schnell verschwinden muss, wenn jemand kommt. In der Küche steht ein Plattenspieler. Ab und zu lassen die Eltern die Musik laut spielen. Dies gibt dem Kind die Möglichkeit zu tanzen, zu lachen oder auch zu weinen. Als die Nonna krank wird, müssen die Eltern nach Ripa fahren. Das Kind können sie nicht mitnehmen und es muss alleine zurückbleiben. Die Mutter erklärt dem Kind, wie es sich während der Zeit zu verhalten habe. Es dürfe keine Geräusche von sich geben und es soll sich auf Zehenspitzen bewegen, nicht aus dem Fenster schauen oder gar das Fenster öffnen, den Plattenspieler nicht benützen, nicht duschen und niemals die Türe öffnen. Das Kind ist nun alleine und wartet. Als die Eltern wieder zu Hause ankommen, rufen sie nach ihrem Kind und suchen es. «Ich bin wie eine Eidechse, sie finden mich nicht», dies sind die Gedanken des Kindes.

Als Eidechsenkind fühlt der Junge sich sicher und beginnt, sich ausserhalb der Wohnung zu bewegen. Er schleicht sich in andere Wohnungen und lernt auf seiner Entdeckung andere Menschen kennen.

Da das Ende des bewegenden Romans offenbleibt, lässt einen die Geschichte nicht so rasch los.

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