«Vergiss kein einziges Wort» von Dörthe Binkert

Buchtippe von Brigit Tonet

Der Roman spielt in Oberschlesien rund um die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Es handelt sich um die fiktive Geschichte der Familie Strebel und deren Nachbarn in der Gleiwitzer Paulstrasse. Im Jahr 1921 hält die 40-jährige Martha Strebel mit ihrer Tochter Louise ihr siebtes Kind im Arm.

Ihr Ältester, Konrad, ist bereits 21 Jahre alt und in einer festen Beziehung, ihr anderer Sohn Heinrich begeistert sich schon früh für die NSDAP. Die älteste Schwester, die schöne Ida, zieht es nach Breslau, wohin ihr die stille Schwester Klara folgen wird, und Schwester Hedwig wird sich schon bald zur Krankenschwester ausbilden lassen.

Louise wird in eine unruhige Zeit geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg verläuft mitten durch Oberschlesien die Grenze zu Polen. Dies führt auf beiden Seiten schon früh zu Unstimmigkeiten. Auf der deutschen Seite kämpfen polnische Bürger mit Aufständen um die Angliederung von Schlesien an die Republik. Als dann Konrad Pauline, die Polin, heiratet, beginnt die Entzweiung in der Familie. Der Vater, ein braver Bahnbeamter, und der zweitjüngste Sohn Heinrich wenden sich deshalb von ihm ab. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, lebt die Mutter Martha schon nicht mehr und die Familie bricht noch mehr auseinander. Gespannt verfolgt man als Leserin die weiteren Lebenswege ihrer Kinder.

Das Buch ist deshalb so gut, weil man mit einer ganz normalen Familie nochmals den Wahnsinn dieser Zeit miterlebt. Hier gibt es kein Heldentum oder besonders spektakuläre Ereignisse. Aber die Autorin Dörthe Binkert lässt einen, dank ihrer guten Recherche und anhand der unterschiedlichen Charaktere, in verschiedene Aspekte der politischen Situation in Oberschlesien blicken. Es wird deutlich, wie der Einzelne zum Spielball der Politik werden kann. Ich halte dieses Buch für alle geschichtlich Interessierten für sehr lesenswert und empfehle es gerne weiter.

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