«332 nach Rembrandt»

Die neue argentinische Komödie «My Masterpiece» ist rabenschwarz und nimmt den Kunstmarkt aufs Korn.

Sammeln Sie Kunst? Oder sind Sie einfach ein Kunstliebhaber? Dann sollten Sie einen grossen Bogen um die neue argentinische Komödie «My Masterpiece» machen, die den Kunstmarkt und seine Absurditäten wie zum Beispiel die Preisbildung durch den Kakao zieht…

Renzo Nervi (Luis Brandoni) ist ein alternder Kunstmaler, und sein Name ist Programm: Er nervt von vorne bis hinten und manipuliert seine Umgebung von früh bis spät. Selbst seine Schüler und «Follower» stösst er liebend gern vor den Kopf. Und von seiner jungen Freundin will er nur das eine – und das ist nicht das, was sie möchte, nämlich über ihre Kunst reden. Egozentrisch durch und durch hat er alle seine Freunde verloren bis auf einen: Arturo Silva (Guillermo Francella), einen mit allen Wassern gewaschenen Galeristen, der in Buenos Aires eine Galerie besitzt und mit dem er früher gemeinsam erfolgreich war. Denn heute will niemand mehr die Werke des eigensinnigen und abgehalfterten Künstlers kaufen. Als sich der Privatkonkurs abzeichnet und sogar der Räumungsbefehl für Renzos Wohnung und Atelier kommt, überwindet sich der Galerist, um dem Schwerenöter ein letztes Mal aus der Patsche zu helfen. Doch der hoffnungslose Fall vergeigt auch diese letzte Möglichkeit.

Bis zum Mord

Wie aus dieser scheinbar ausweglosen Situation künstlerische Auferstehung und Wiedergeburt möglich werden, zeigt die bissige Komödie, bei der Gaston Duprat Regie führte. Und auch, wie sich der Wert eines Gemäldes innert kürzester Zeit verhundertfachen kann. Einziger Antrieb der Akteure im Kunstmarkt scheint die Gier zu sein, auch wenn die Lippenbekenntnisse andere sind. Die bezüglich Kunstsinn zumeist naive, aber finanzkräftige Käuferschaft ersteht, was hip und angesagt ist. Galeristen, lokale wie internationale, ziehen alle Register, um einen Hype zu kreieren und damit den grossen Reibach zu machen. Und sie schrecken sogar vor Mord nicht zurück, wenn es darum geht, die eigene Haut zu retten.

«My Masterpiece» ist aber auch ein Film über grosse und echte Freundschaft. Und über Künstler, die einfach ihr Ding machen und sich selbst treu bleiben. Unabhängig von den Irrungen und Wirrungen des Kunstmarktes und des Zeitgeistes. Wer seine Lachmuskeln wieder einmal richtig trainieren möchte, dem sei «My Masterpiece» empfohlen, auch wenn einem – wie in jeder guten Komödie – das Lachen manchmal fast ein wenig im Hals stecken bleibt.

Unser Filmkritiker Daniel Frey meint: 3,5 von 5 Sternen!

 

«My Masterpiece», Komödie, 1 Stunde
40 Minuten, ab 14. Februar 2019 in den Zürcher Kinos.
Link zum Trailer

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