Zollikon Zumikon

Was man vom Ehegatten lieber nicht wissen will

Ausgelassene Freunde mit ausgefallenen Ideen (Bild: zvg)

«Le Jeu» ist eine neue französische Komödie, die in die Abgründe von Paarbeziehungen leuchtet.

Von Daniel Frey

Wissenschafter haben berechnet, dass der Mond die Erdkruste durch seine Anziehungskraft um bis zu 80 cm anhebt. Welche Auswirkungen hat er wohl auf uns Menschen? Und was geschieht mit uns, wenn gleichzeitig eine vollständige Mondfinsternis stattfindet? Gemäss dem französischen Regisseur Fred Cavayé löst dies eine Katharsis aus, eine seelische Reinigung, deren Zeugen wir werden, wenn wir uns seine neue Komödie mit dem Titel «Le Jeu» (Das Spiel) zu Gemüte führen, die Mitte Juni in den Zürcher Kinos anläuft.

Vier Paare, teilweise von Kindesbeinen an befreundet, sind zum Dîner verabredet. Nach und nach treffen die (Ehe-) Paare ein, wobei alle auf «die Neue» des einen Freundes gespannt sind. Der äusserst kreative Hobbykoch verzieht sich in die Küche, während die Gäste, bereits besorgt, den ersten Gang zur Kenntnis nehmen. Small Talk und kleine Sticheleien machen die Runde, als die Erdkruste bereits zum ersten Mal ein paar Zentimeter steigt: Die Neue ist krank und lässt sich entschuldigen. Der Abend plätschert dahin, während der Mond immer mehr vom Erdschatten abgedeckt wird. Und da längst nicht nur Kinder und Jugendliche bei Tisch mit ihren Handys spielen, schwappt die Kreativität der Küche auf die Ehefrau des Gastgebers über, die auf einmal vorschlägt, alle Handys auf den Tisch zu legen und alle einkommenden Nachrichten – Anrufe, Emails, SMS – mit allen andern zu teilen. Während die Männer das eher keine so gute Idee finden, wollen die Frauen sich darauf einlassen. Schliesslich geben die Männer ihren Widerstand auf und das Spiel beginnt.

«Ich könnte hundert Jahre alt werden und würde dich nie kennen» sagt Rock Hudson als Jordan Benedict im Spielfilm «Giganten» zu seiner Frau Elizabeth Taylor als Leslie Lynnton nach über 40 Ehejahren. Dieses Phänomen ist im Handy-Zeitalter vorbei. Denn hier herrscht volle Transparenz, wie «Le Jeu» im Folgenden darlegt.

Der gläserne Partner

Der als Kammerspiel angelegte Film konfrontiert die immer weniger ausgelassene Runde und die Zuschauenden mit Vorurteilen, Verdächtigungen und Argwohn und mit all den Themen, die man vom (Ehe-) Partner lieber nicht wissen möchte. Geht der Freund, mit dem zusammen man ein Baby erwartet, wirklich fremd? Und was, wenn besagter Freund auch innerhalb der anwesenden Paare über den Zaun frisst? Wie fühlt es sich an, als vermeintlicher Schwuler von den anderen diskriminiert zu werden? Was, wenn die Freundin immer noch Kontakt zum Ex hat und dieser seine neuen Liebesnöte mit ihr teilt? Was, wenn der Mann der Psychologin zum Psychologen geht, ohne dass diese davon weiss? Was, wenn einer der anwesenden Ehemänner ein Sex-Bildchen-Abo eingegangen ist und jeden Tag die entsprechende Bestellung auf das Handy geladen wird? Und was, wenn eine frustrierte Ehefrau einen Kontakt zu einem wildfremden Mann aufgebaut hat?

«Le Jeu» lässt vom Frivolen bis zum Ehe-Gefährdenden nichts aus, und bei jeder neuen Enthüllung hebt sich die Erdkruste um ein paar Zentimeter mehr und der Mond verdüstert sein Antlitz um ein paar Zentimeter Erdschatten mehr. Wird die Kruste am Ende brechen? Das Spiel wartet mit einem überraschenden und verblüffenden Ende auf, das aber die nachdenkliche Aura und das Sinnieren über Segen und Fluch der kleinen Alltagshelfer nicht aufhebt.

«Le Jeu», Komödie, 1h 30 min, ab 13. Juni 2019 in den Zürcher Kinos.

Unser Filmkritiker Daniel Frey meint: 3.5 von 5 Sternen!

Trailer zum Film

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