Zollikon Zumikon

Passagiere sollen sich in der «Frieda» näherkommen 

Statt Online-Dating: Sitz frei räumen. Die neue Kampagne der Forchbahn AG macht auf angemessenes Verhalten aufmerksam. (Bild: mmw)

Neue Werbekampagne: Aufgrund des beschränkten Platzangebots in ihren Zügen wirbt die Forchbahn für gegenseitige Toleranz.

«Statt Online-Dating: Sitz frei räumen». Morgen Samstag startet die Forchbahn ihre neue Informationskampagne «miteinander», mit der sie mit einem Augenzwinkern auf Rücksicht und Toleranz aufmerksam machen will. Das Dating-Sujet, das den Auftakt zur Kampagne macht, soll dazu aufrufen, Sitzplätze in den Stosszeiten nicht mit Taschen zu belegen, sondern Platz für andere Fahrgäste zu machen. «Miteinander fährt man am besten», heisst es im ebenfalls zur Kampagne gehörenden Flyer, «wenn alle mitmachten, ist die Fahrt mit der Forchbahn das reinste Vergnügen.» Auch weitere Benimmregeln, wie jene, für die Aussteigenden eine Gasse freizuhalten, seine Mahlzeiten nicht während der Fahrt einzunehmen oder miteinander zu sprechen, statt alle zu unterhalten, werden angesprochen. «Eigentlich ist es ja nicht die Aufgabe der Eisenbahn, die Gesellschaft zu erziehen», sagt Hanspeter Friedli, Bereichsleiter Produktion der Forchbahn AG bei der Vorstellung der neuen Kampagne diese Woche, «doch wollen wir, dass unsere Passagiere zufrieden sind.» Denn dass sich die Gesellschaft verändert habe, sei ein Fakt, frühere Anstandsregeln, wie einer älteren Person Platz zu machen, würden heute nicht mehr unbedingt gelten. 

Belehrend wolle die Kampagne, für die eine professionelle Kommunikationsagentur hinzugezogen wurde, aber deswegen nicht sein. «Ziel ist es, mit den Fahrgästen ins Gespräch zu kommen und dass auch diese untereinander ins Gespräch kommen», sagt Hanspeter Friedli und unterstreicht, dass es sich bei den Fahrgästen oft um Stammgäste handle, die beinahe schon eine familiäre Beziehung pflegten zu ihrer «Frieda», wie die Bahn im Volksmund genannt wird. Die Abkürzung FB steht für Hanspeter Friedli denn auch für Familienbahn. Aufgrund dieser aussergewöhnlichen Beziehung hätten sich neben Fotomodellen auch Fahrgäste mit grossem Elan als Statisten für die neue Kampagne engagiert. 

Kapazitätsgrenzen erreicht

Das «Miteinander» der Forchbahn hat aber noch weitere Gründe. Der Auslöser der Kampagne war ihre zunehmende Beliebtheit: Zu Stosszeiten ist die Kapazitätsgrenze wiederholt erreicht oder überschritten. In der Forchbahn ist es also oftmals eng – insbesondere auch in den kommenden Monaten. Das Herbstsemester beginnt, viele Studierende pendeln also wieder fleissiger auf der Strecke der S18 in die Stadt. «Das Problem des Platzmangels wird also wieder zunehmen», weiss Hanspeter Friedli, «da ist jeder freigeräumte Sitzplatz eine Entschärfung.» 

Dass es in den Zügen der Forchbahn eng ist, hat aber auch damit zu tun, dass das neue Rollmaterial für die Forchbahn erst für das Jahr 2027 vorgesehen ist. Die 13 neueren Niederflurfahrzeuge sind bereis 15 Jahre im Einsatz und müssen überholt werden. Ein Fahrzeug befindet sich bereits im sogenannten «Refit»-Programm, das die Fahrzeuge für die zweite Lebenshälfte mit neuer Fahrzeugleittechnik, ergonomisch angepasstem Führerstand und zusätzlichem Mehrzweckabteil für die neue Fahrzeugleittechnik fit machen soll. Ein zweites Fahrzeug werde Anfang 2020 in dieses Programm gehen – was bedeutet, dass die Züge der Forchbahn kürzer werden und somit weniger Platz zur Verfügung steht, es also nochmals enger wird. 

Und dann sind es auch die vielen baulichen Massnahmen, die von den Passagieren der Forchbahn mehr Geduld als üblich oder eben ein freundliches «Miteinander» erfordern werden. Den Auftakt machen hierbei die in diesen Tagen anlaufenden Bauarbeiten des behindertengerechten Ausbaus der Haltestelle Spital Zollikerberg (wir berichteten), die im Anschluss an sämtlichen Haltestellen fortgeführt werden. Ab kommendem Montag bis Mitte Februar wird darum und wegen gleichzeitigen Gleisarbeiten ein Gleis zwischen Zollikerberg und Rehalp ausser Betrieb sein, in den Hauptverkehrszeiten ist gemäss dem Bereichsleiter mit Verspätungen von bis zu fünf Minuten zu rechnen. Ende September steht dann auch noch eine Auswechslung der Gleise durch die VBZ beim Kreuzplatz an, weshalb die Forchbahn nur bis zum Hegibachplatz verkehren wird. Weiter mit Baumassnahmen geht es während der Herbstferien, wenn Egg ein neues Stellwerk erhält und es zwischen Forch und Esslingen zu einem durchgehenden 14-tägigen Bahnersatzbetrieb kommt. Und im Sommer 2021 steht dann  die wohl grösste Baustelle an: die Modernisierung des 1,7 Kilometer langen Tunnels zwischen Neue Forch und Waltikon. 

«Alles Fakten, die wir nicht ändern können», bedauert Hanspeter Friedli. Die neue Kampagne soll aber helfen, die Unannehmlichkeiten so klein wie möglich zu halten und es in der «Frieda» möglichst bequem für alle zu machen. Und vielleicht braucht es dann ja tatsächlich auch kein Online-Dating mehr. (mmw)

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