Zollikon

Entscheidung vertagt

Das Ferienheim Sanaspans in der Lenzerheide wird von der Schule Zollikon
kaum mehr als Lagerhaus genutzt. (Bilder: Archiv)

Eigentlich hätte das Zolliker Stimmvolk Ende März über die Zukunft seines Feriendomizils Sanaspans in der Lenzerheide befinden sollen. Wegen der Verunsicherung im Tourismusbereich taucht das Traktandum an der kommenden Gemeindeversammlung nicht mehr auf.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie bringen viele Branchen in Schieflage. Besonders betroffen ist der Tourismus – und damit auch Zollikon. Ursprünglich wollte die Gemeinde das Ferienheim Sanaspans in der Lenzerheide loswerden, das schon lange rote Zahlen schreibt und von der Schule nicht mehr als Lagerhaus benutzt wird. Dann wurde gemeinsam mit der Bündner Gemeinde ein Neubauprojekt für das gut 56 000 Quadratmeter grosse Areal rund um das Ferienlagerhaus geplant, das ein ­Hotelresort sowie bewirtschaftete Ferienwohnungen mit insgesamt 500 Betten vorsah. Rund 6200 Quadratmeter Agrarland sollte in Bauland umgewandelt werden, denn nicht das gesamte Areal liegt in der Zone öffentlicher Wohn- und Ferienhausbauten.

In Vaz/Obervaz regte sich seitens von Anwohnern und Landschaftsschützern Widerstand gegen das Vorhaben, sodass die Abstimmung über die Revision der Ortsplanung ausgesetzt wurde. Das Projekt wurde überarbeitet und erhielt eine neue Marschrichtung: Zunächst sollten die Zolliker Stimmbürger über den Verkauf von 14 000 Quadratmetern Bauland befinden.

Das Traktandum hätte in Zollikon zusammen mit der Genehmigung eines Planungskredits in der Höhe von 230 000 Franken im März zur Abstimmung kommen sollen. Im Zuge der Corona-Massnahmen musste die Gemeindeversammlung verschoben werden. Sie findet nun unter freiem Himmel statt, und zwar am 4. Juli auf dem Buechholzhügel. Der Entscheid um die Zukunft des Ferienheims Sanaspans wurde jedoch von der Traktandenliste gestrichen.

«Aufgeschoben ist nicht aufgehoben»

«Weil die kommende Gemeindeversammlung unter aussergewöhnlichen Bedingungen stattfindet, hat der Gemeinderat entschieden, nur die allerdringendsten Geschäfte zu behandeln», erklärt der Zolliker Gemeindepräsident Sascha Ullmann. Bei der unübersichtlichen Lage in der Tourismusbranche sei es schwierig, Entscheidungen zu treffen. Auch sei man bei Annahme des Projekts auf Investoren angewiesen. «Da der Markt durch die gegenwärtige Situation verunsichert ist, haben wir gemeinsam mit der Gemeinde Vaz/Obervaz entschieden, noch etwas zu warten. Es ist der falsche Zeitpunkt für einen Investorenwettbewerb», sagt Sascha Ullmann. «Wir nehmen unsere Verantwortung gegenüber der Gemeinde ernst und wollen auf keinen Fall eine Hauruck-Übung machen.»

Es bestehe nach wie vor ein grosses Interesse auf beiden Seiten für das Projekt, betont der Gemeindepräsident. «Wir werden beobachten,
wie sich die Lage den Sommer über entwickelt. Im Herbst werden wir dann besprechen, wie es weitergehen soll. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.»
In der Gemeinde Vaz/Obervaz ist die Stimmung zurückhaltend optimistisch. «Die Aussichten für den Tourismus sind nicht mehr ganz so düster wie in der Corona-Schockstarre vor drei Monaten», sagt Walter Büchi, Leiter Bau Vaz/Obervaz. Weil viele Schweizer im eigenen Land Ferien planen würden, könnte es sogar ein überdurchschnittlich guter Sommer werden. Was das Sanaspans-Projekt betrifft, so geht er mit Zollikon einig, dass man den Saison-Verlauf abwarten und sich im Herbst wieder zusammensetzen soll. Mittelfristig seien mehr Betten in seiner Gemeinde sicher wünschenswert, sagt Walter Büchi, gerade auch im Hinblick auf Grossveranstaltungen: «Wir haben uns gerade für die Biathlon-WM 2025 beworben.»

Tobias Chi

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