Zumikon

In der Halloween-Nacht flogen Steine

Am diesjährigen Halloween steckten in Zumikon Jugendliche Container in Brand und griffen Polizisten an. Die Kantonspolizei musste Verstärkung anfordern und setzte Gummigeschosse zur Verteidigung ein. Wie sich herausstellte, handelte es sich grösstenteils um Jugendliche aus den umliegenden Gemeinden.

Viele Einwohnerinnen und Einwohner haben sich mittlerweile daran gewöhnt: In der Halloween-Nacht fliegen Eier gegen Häuser und Autos, Böller werden in Briefkästen gesteckt. Dieses Jahr jedoch erfuhr Zumikon eine deutliche Steigerung der Gewalt. Diese richtete sich nicht mehr nur gegen Sachen, sondern gegen Menschen. Rund 30 Jugendliche gruppierten sich erst am Kreisel, später ging es Richtung Leugrueb. Als dort ein Container in Flammen aufging, schritt die Polizei der Gemeinde ein und wurde sofort aus dem Hinterhalt mit Steinen beworfen. «Die Polizisten haben sich dann in Sicherheit gebracht und Verstärkung bei der Kantonspolizei angefordert», erklärt Gemeindeschreiber Thomas Kauflin. Die Kantonspolizei war binnen zehn Minuten mit einem Auto vor Ort. Als das Ausmass des Krawalls deutlich wurde, wurde ein zweiter Wagen angefordert. Vor Ort entstand ein Katz-und-Maus-Spiel. Die Jugendlichen – grösstenteils schwarz gekleidet – versteckten sich und warfen weiter mit Steinen. «Das waren Steine mit 15 Zentimetern Durchmesser. Wer so etwas wirft, nimmt schwere Verletzungen oder Schlimmeres in Kauf», so der Gemeindeschreiber. Die Szenerie verlagerte sich in Richtung Waltikon. Die Polizisten hatten sich mittlerweile mit Helmen und Schutzschildern ausgestattet. Mit acht Mann folgten die Beamten dem Mob, zeitweise kamen Gummigeschosse zum Einsatz. Nach mehreren Abmahnungen habe es keine Alternative gegeben, so Stefan Oberlin, Sprecher der Kantonspolizei.

Grösstenteils auswärtige Jugendliche

Bei der Identifizierung fiel auf, dass ein Grossteil der 15- bis 18-Jährigen, denen nun eine Anzeige der Jugendanwaltschaft zugehen wird, gar nicht aus Zumikon stammt, sondern von Zollikon, Zollikerberg, Küsnacht und auch Zürich eigens nach Zumikon gekommen war. «Wir wissen noch nicht, warum es ausgerechnet unsere Gemeinde traf», führt Thomas Kauflin aus. Er habe sich am Morgen danach die Filmaufnahmen angeschaut, die Zumikons Polizeichef Daniel Ruckstuhl in der Nacht gemacht hatte, und er sei schockiert. Die Szenen erinnerten ihn an Ausschreitungen nach Fussballspielen. Dabei hatte sich die Gemeinde im Vorfeld auf etwaige Übergriffe vorbereitet. Zusätzlich zu den beiden Polizeibeamten, die durch die Strassen patrouillierten, waren zwei Securitas-Mitarbeiter aufgeboten worden. «Im kommenden Jahr werden wir sicherlich noch mehr aufrüsten müssen», befürchtet Thomas Kauflin. Das unterstreicht auch Thomas Epprecht, Vorsteher der Abteilung Sicherheit. Er zeigt sich von den Ereignissen entsetzt, aber nicht überrascht: «Wir stellen diese Verrohung der Sitten seit längerem fest. Nun ist diese auch in Zumikon angekommen.» Er unterstreicht damit, dass es sich mit dieser Gewalteskalation nicht um ein Zumiker Problem gehandelt hat. Vielmehr sei es von aussen in die Gemeinde getragen worden. (bms)

 

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