Leichtfüssig und behände

Wenn zwei junge Menschen sich finden und ein gemeinsames Projekt mit vielen musikalischen Ideen umsetzen, dann schwingen die Saiten und ertönen die Pfeifen mit Leichtigkeit, munter und mitreissend zugleich. Helga Váradi und Nicolas Senn zogen an diesem Samstagabend im wahrsten Sinne des Wortes alle Register.

Die beiden Künstler haben sich vor einem Jahr bei einem gemeinsamen Konzert in der Zolliker Kirche kennengelernt und musikalisch bestens verstanden. So schmiedeten sie bald Pläne für weitere Konzerte. Es entstand ein Sommerkonzert unter dem Namen «Alles Leben strömt aus Dir». Wer hielte es für möglich, dass ein verhältnismässig kleines Instrument wie das Hackbrett sich gegen ein so mächtiges wie die Orgel klanglich durchsetzen kann? Mit einer unglaublich sensiblen Gestaltung gelang es den beiden Musikern, der Zolliker Organistin Helga Váradi und dem schweizweit bekannten Hackbrettspieler Nicolas Senn, sich wechselseitig musikalisch zu begleiten, die Töne zu vereinen, zu ergänzen und herauszuheben. Die gebürtige Ungarin aus Budapest und der Urschweizer aus Appenzell spielten ihre beiden Instrumente je nach Musikstück virtuos, temperamentvoll und einfühlsam. Die beiden jungen Musiker, sie mit Händen und Füssen und er mit Schlägeln am Werk, lachten sich zu und verbreiteten mit ihrem sympathischen Auftritt durchweg gute Laune im Publikum. Dabei hatten die beiden zusätzlich ein sportliches Programm zu bestreiten: Einmal spielten sie oben bei der Orgel, einmal unten im Chor der Kirche, wo ein zweites Hackbrett und die kleine Hausorgel standen. Nicolas Senn meinte ironisch zu den zahlreich anwesenden Zuhörerinnen und Zuhörern: «Aber auch für Sie, liebes Publikum, wird es sportlich, wenn Sie gedenken, bei jedem Platzwechsel zu applaudieren.» Die beiden spielten unter anderem den Ungarischen Tanz Nr. 5 von Johannes Brahms und den Dudelsackpfeifer von Béla Bartók sowie einige Eigenkompositionen von Nicolas Senn. Beispielsweise sein Stück Morgenstimmung 456, dessen Name von den 456 Stufen zur Universität herrührt, die er jeweils morgens vom Bahnhof St. Gallen zu bewältigen hatte und die ihn inspirierten. Auch weitere Stücke tragen amüsante Namen, die er jeweils mit humorvollen Geschichten erläuterte. Die einzelnen Ausschnitte aus einem Melodienmedley mussten die Zuhörerinnen und Zuhörer sogar erraten, und viele summten bei altbekannten Melodien gleich mit, wie bei der Filmmusik zu Doktor Schiwago, bei Abba-Songs oder El condor pasa, aber auch ganz zum Schluss bei der Zugabe, dem Appenzeller Landsgemeindelied. Durch das Konzertprogramm führten die Musiker übrigens gleich selbst sehr persönlich mit Witz und Charme. Das Publikum war begeistert und dankte es den Künstlern mit grossem Applaus. Eine charmante Verbindung, Appenzell und Ungarn! (cef)

 

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