Zumikon

Mit leuchtender Mode gegen den grauen Alltag

Manche tragen Kleidung einfach nur, um sich vor Kälte und Peinlichkeiten zu schützen. Nicht so Veronica Stoehlker-Puentes. Für die gebürtige Kolumbianerin symbolisiert die Mode, die sie verkauft, Lebensfreude und Energie.

Mit Begeisterung führt sie ihre Modeboutique in Zollikon, wo sie ganz besondere Designerinnen und Designer aus ihrer Heimat Kolumbien vertritt. Veronica Stoehlker-Puentes ist alles andere als ein Modepüppchen. Sie hat keine langen oder grellen Fingernägel. Schminke? Fehlanzeige. Im Gegenteil: Ganz lange hat Mode in ihrem Leben überhaupt keine Rolle gespielt. Dafür aber Deutschland. Schon als Schülerin kam sie im Rahmen eines Austauschprogramms nach Bottrop. Ausgerechnet ins Ruhrgebiet, das nicht für Glanz oder Schönheit bekannt ist. Aber wer sich im Ruhrgebiet einen Freund gemacht hat, kann für den Rest seines Lebens auf ihn bauen, heisst es. «Ich hatte eine ganz tolle Gastfamilie», erklärt Veronica Stoehlker-Puentes. Zurück in Kolumbien plante sie sogar ein Studium in Essen – auch im Ruhrgebiet, auch eher eine Stadt für den zweiten oder gar dritten Blick. Doch ihre Unterlagen kamen genau einen Tag zu spät an der Universität an, und so ergriff die damals 21-Jährige die Gelegenheit, als Au-pair-Mädchen nach Deutschland zu gehen. Es verschlug sie nach Fehmarn, eine Insel, die während sechs Wochen im Sommer sehr belebt ist. Die restlichen 46 Wochen ist es dort sehr ruhig. «Ich musste mich total umstellen. In Kolumbien war für uns gekocht und geputzt worden, ich war ziemlich verwöhnt. Jetzt musste ich das alles machen und mich natürlich auch noch um die drei Kinder kümmern», erinnert sich die Zumikerin. Dazu kam, dass es in der Ehe der Gastfamilie kriselte. «Solche Streitigkeiten war ich überhaupt nicht gewöhnt.» Aber die junge Frau biss sich durch, gab nebenbei Spanischunterricht, nahm selbst Deutschstunden.

Den Fuss vom Gas

Nach dem Au-pair-Jahr folgte ein weiterer krasser Wechsel. Sie begann, in Berlin Politikwissenschaften zu studieren. Sie lernte viel – und sie lernte ihren Ehemann Raoul kennen. Der war für das väterliche Unternehmen in der deutschen Hauptstadt, um die dortige Filiale zu leiten. Als er nach drei Jahren in die Schweiz zurückkehrte, ging Veronica Stoehlker-Puentes mit und schloss ihr Studium in Zürich ab. Wieder begann ein ganz neues Leben für die temperamentvolle Frau. «Ich war es nicht gewohnt, zwanzig Minuten auf einen Zug warten zu müssen. In Berlin ging alle drei Minuten einer.» Also ging sie ein bisschen vom Gaspedal und liess sich nach und nach auf das Schweizer Leben ein. Sie absolvierte ein Praktikum, bekam eine Anstellung und war unzufrieden. Sie hatte keine Perspektive. Sie wollte sich gerade neu orientieren, als sie schwer erkrankte. «Von heute auf morgen war alles anders», so die Boutiqueinhaberin. Sofort war ihr bewusst, dass sie neue Wege gehen wollte und musste. Ganz stark sei sie sich dabei ihrer Wurzeln bewusst geworden. Schon als sie nach Europa gekommen war, war ihr aufgefallen, wie trist die Mode hier oft ist. Frauen trügen oft schwarz, grau, braun. In Kolumbien sehe das anders aus, da leuchte die Mode. «Ich wollte genau diese Mode in die Schweiz holen, auch, um etwas für mein Land zu tun. Denn Kolumbien ist viel mehr als Drogenhandel und Kriminalität.» Sie schrieb Mails, doch niemand antwortete. Kurzerhand beschloss sie, nach Kolumbien zu fliegen – trotz der Skepsis ihres Mannes. Die Spontaneität wurde belohnt. Sie bekam die Zusage, die Designerin Adriana Santacruz vertreten zu dürfen, und sie bekam eine «Audienz» bei Pepa Pombo – der Mode-Ikone des Landes. Mit dem Exklusivvertrag in der Tasche bestieg sie das Flugzeug in die Schweiz. Ihre Vision nahm Gestalt an. «Kurz zuvor hatte mein Mann mir zugesagt, dass ich die unteren Räume des Unternehmensgebäudes als Boutique nutzen könne», freut sich Veronika Stoehlker-Puentes noch im Nachhinein. Ein Glücksgriff: Die Räume sind gross und hell. Hier kommen die Kleider, Röcke und Westen gut zur Geltung.

Kundinnen aus der ganzen Schweiz

Es ist schwierig, diese besondere Mode zu beschreiben. Die Stoffe sind schwer, sodass sie nicht flattern, sondern fliessen und die weibliche Silhouette schön unterstreichen. Veronica Stoehlker-Puentes hat nicht nur Mode im Angebot, die man zu ganz speziellen Anlässen rausholt, sondern auch tolle Kleider für den Alltag. Und das spricht sich herum. Frauen aus der ganzen Schweiz und dem benachbarten Ausland kommen, um sich beraten zu lassen. Zugegeben, das sind meist Frauen aus der Oberschicht, Top-Managerinnen. «Aber es gibt auch andere Frauen. Die, die sich einfach mal etwas besonders Schönes gönnen wollen.» Auf der einen Seite geniesst die Geschäftsführerin, dass ihre Boutique noch den Status eines Geheimtipps hat. Auf der anderen Seite möchte sie natürlich noch mehr wachsen. Dafür geht Veronica Stoehlker-Puentes auch ein gewisses Risiko ein, indem sie noch unbekannte, junge Designer ihres Landes präsentiert. Wichtig sind ihr vor allem die Qualität der Stoffe und der Verarbeitung und die zeitlose Eleganz, die durch den Raum weht. «Manche Stücke kann man auch durchaus unelegant, aber sportlich, mit Sneakers tragen», schlägt sie vor. (bms)

 

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