Zollikon

«Wir sind mutiger geworden»

Daniel Wyss, Präsident des Kulturkreises Zollikon, betritt zusammen
mit dem Vorstand gerne neuartige kulturelle Welten.(Bild: mpe)

Mitte Mai ist das Programm 2018/19 des Kulturkreises Zollikon zu Ende gegangen. Doch gleichzeitig schon stehen die Veranstaltungen für die kommende Saison fest. Kulturkreis-Präsident Daniel Wyss erklärt im Interview, was ein gutes Programm in der heutigen Zeit voller Freizeitmöglichkeiten ausmacht.

Mit Daniel Wyss sprach  Martina Peyer

Daniel Wyss, Ihr Rückblick auf die vergangene Saison – was war das Highlight?

Der Kulturkreis Zollikon ist für sein ausgewogenes Programm mit verschiedenen Themen in den Sparten Musik, Theater, Literatur und bildende Kunst bekannt. Daher können wir selten von einer einzigen Spitzenveranstaltung pro Saison sprechen. Wir möchten uns eher in Nischen bewegen, um uns so vom Mainstream abzuheben. Dennoch möchte ich den besonderen Grossanlass, den wir Ende Oktober anlässlich des 85. Geburtstags des Komponisten und Kulturförderers Armin Brunner durchführten, erwähnen. Er hat den Stummfilm «The Mysterious Lady» neu vertont, den wir dann mit einem Live-­Orchester unter der Leitung von Christoph Escher im Gemeindesaal vorgeführt haben. Als letzte Veranstaltung der vergangenen Saison trat das Theater Hora auf. Wie Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung „Die Lust am Scheitern“ inszenierten, war äusserst eindrücklich.

Ist die Abgrenzung vom Mainstream eine Reaktion auf das Grossangebot der Stadt Zürich?

Genau. Es würde wenig Sinn machen, dieselben Stars, die auf den Bühnen der Stadt auftreten, auch bei uns zu engagieren. Aufgrund des langjährigen grossen Zulaufs können wir mit Stolz sagen, dass wir mit unserem Nischenangebot jedenfalls bis heute auf dem richtigen Weg sind. Die meisten unserer über 800 Mitglieder und viele Kulturinteressierte haben inzwischen die berechtigte Erwartung, sich an einem Kulturkreis-Abend auf eine etwas andere Vorstellung freuen zu dürfen.

Wie lange haben die Arbeiten für das kommende Programm gedauert?

Der Vorstand ist permanent daran, Veranstaltungen und Projekte ausfindig zu machen, zu besuchen und die Künstler zu engagieren. Da jedes der zur Zeit sieben Vorstandsmitglieder andere kulturelle Kenntnisse und Interessen aufweist, stehen uns stets genügend Ideen für die einzelnen Sparten zur ­Verfügung. Jeweils zum Jahreswechsel haben wir die meisten ­Programmpunkte für die nächste Saison beisammen.

Was macht ein gutes Programm aus?

Wenn sich die gefundenen Projekte vom Gros abheben und uns gleichzeitig eine gute Durchmischung der Sparten mit hochstehenden Anlässen gelingt.

Auf welchen kommenden Anlass freuen Sie sich besonders?

Am 1. März 2020 wird das «Trio Oreade» auftreten. Dass wir dieses hochkarätige, international bekannte Streichtrio, das man nicht ohne Weiteres in etablierten Kulturbetrieben zu hören bekommt, für Zollikon gewinnen konnten, finde ich toll. Ein Kontrast dazu ist Martin O, ein bekannter wahnwitziger Stimm- und Instrumentalkünstler. Zudem arbeiten wir in der kommenden Saison erstmals mit der Zürcher Filmstiftung zusammen: Ende ­Oktober zeigen wir den Film «Dene wos guet geit», der ein eindrückliches Bild der Schweiz zeichnet. Filmemacher Cyril Schäublin wird anwesend sein und über Hintergründe und Ideen seines Erstlingswerks berichten. Diese Kombination von Film und Making-of möchten wir, wenn möglich, jedes Jahr ins Programm nehmen.

Wie kam es, dass Sie Präsident des Kulturkreises Zollikon wurden?

Meine Frau Hanny ist Pianistin. Sie gehörte einige Jahre dem Vorstand des Kulturkreises als Betreuerin der Sparte Musik an. Auf diese Weise habe ich viele Vorstandsmitglieder kennengelernt. 2010 suchte der Kulturkreis einen Präsidenten und fragte mich an, da mein Interesse für Kultur bekannt war. Denn bildende Kunst und Musik gehören seit meiner Kindheit zu meinem Leben. Mir wurde bewusst, dass ich mit einem Ja zum angebotenen Amt einen Beitrag für die Gemeinde Zollikon leisten kann. Mit circa sieben Vorstandssitzungen, Vorbereitungsarbeiten und Besuchen von kulturellen Anlässen hält sich der Aufwand im gut machbaren Rahmen, und gerade die Besuche solcher Anlässe stellen auch eine Bereicherung dar.

Aus welchen Gründen ist der Kulturkreis eine wichtige Institution?

Diese Kulturvereinigung belebt das Gemeindeleben. Die rund zwölf Anlässe pro Jahr sind stets sehr gut besucht: An den meisten nehmen zwischen 60 bis 100 Interessierte teil, an zwei bis drei Veranstaltungen pro Jahr verzeichnen wir über 250 Besucher. Die Gemeindemitglieder schätzen es, dass sie in der Gemeinschaft etwas Schönes erleben können. Zudem: Der Jahresbeitrag für die Mitgliedschaft im Kulturkreis Zollikon ist attraktiv. Mit lediglich 80 Franken für die Einzelmitgliedschaft oder 120 Franken für die Paarmitgliedschaft können alle Veranstaltungen ohne weitere Kosten besucht werden.

Hat sich der Kulturkreis in den vergangenen Jahren verändert?

Wir sind bei der Programmgestaltung mutiger geworden. So haben wir seit einiger Zeit ein etwas bunteres, reichhaltigeres Programm. Wir haben erkannt, dass wir den Mitgliedern Neues zumuten dürfen. Sie sind offen für nicht alltägliche Kulturprojekte.

Kultur ist Ihnen persönlich sehr wichtig. Welche Bedeutung hat Kultur in Ihrem Leben?

Kultur ist Bereicherung, notwendiger Ausgleich im Alltag, aber auch Genuss. Ich wuchs bei Eltern auf, die sich intensiv mit Bildender Kunst und Musik auseinandersetzten. Dieses Interesse färbte auf mich und meine drei älteren Brüder, die alle ein Instrument erlernten, ab. Mich begeisterten vor allem die italienische Oper und die Opernstars der 50er Jahre, weshalb ich singen wollte. So nahm ich Gesangsstunden. Mir war jedoch klar, dass es eine extreme Herausforderung sein würde, das Leben damit zu finanzieren. Daher studierte ich später nebst Gesang Jurisprudenz und wählte dann den Anwaltsberuf.

Was wünschen Sie dem Kulturkreis für die kommenden Jahre?

Ich hoffe, auch weiterhin die zahlreichen Mitglieder mit einem Programm, das ich als hochstehend erachte, zu erfreuen. Wir geniessen zudem das Privileg, dass uns Zollikon ganz verschiedene, erstklassige Räumlichkeiten für unsere Veranstaltungen zur Verfügung stellt – beispielsweise die Aula Buechholz, Kirchen oder die Villa Meier-Severini sowie den Gemeindesaal. Dort möchten wir auch in Zukunft das Publikum mit speziellen Darbietungen überraschen.

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