Zollikon

Rasant unterwegs in kleinen Miniboliden 

Ohrenbetäubender Motorenlärm, der Geruch von Abgas und Öl, hohe Geschwindigkeiten: Der Zollikerbergler Nicolas Paszti hat einen Bubentraum zum Hobby gemacht. 

Fechten hat er schon ausprobiert, Unihockey gespielt und auch beim Tischtennis war er regelmässig anzutreffen. Doch so richtig gepackt hat ihn keine der Sportarten. «Irgendwann wurde jedes Training zum Zwang», erzählt der 16-jährige Nicolas ­Paszti. In einen richtigen Redefluss gerät er dagegen, wenn er von seiner Leidenschaft erzählt, die ihm vor über zwei Jahren den Ärmel reingezogen hat: dem Kartfahren. 13 Jahre alt war er, als er, angespornt durch einen Freund der Familie, regelmässig mit seinen ­Eltern zusammen nach Lyss im Kanton Bern aufgebrochen ist, um in gemieteten Gokarts ein paar Runden zu drehen. «Nur so zum Spass», erinnert sich der Zolliker, der in der Gemeinde aufgewachsen ist und heute die zweite Sekundarklasse in Wetzikon besucht. Die Familie kam ins Gespräch mit der Restaurantbetreiberin der Kartbahn und wenige Zeit später sass der grossgewachsene Jugendliche wieder hinter dem Steuerrad. Diesmal aber nicht in einem gemieteten Miniboliden, sondern einem Rennkart, den er mit über 100 Kilometern pro Stunde über die Kartbahn lenkte. Ein unbeschreibliches Gefühl sei dies gewesen, erinnert sich Nicolas Paszti, aber auch eines, dass er so nicht erwartet habe: «Die Wirkung des hohen Tempos in einem Rennkart ist extrem», am ganzen Körper sei es zu spüren, die Kräfteverhältnisse enorm. Ein paar Runden ging alles gut, doch dann kam es zum Unfall. Einem Unfall aber, der für den jungen Zollikerbergler zu einem Glücksfall wurde, überraschten seine Eltern ihn doch wenige Wochen danach mit einem reparierten Rennkart, den sie ihm als Geschenk überreichten. 

Seither ist Nicolas Paszti noch mehr auf der Kartbahn anzutreffen – mittlerweile im aargauischen Wohlen, wo auch das Karting-Team «Spirit Racing» beheimatet ist. Er hat in der Zwischenzeit seine Rennlizenz gelöst und für sein Team zwei Rennen bestritten. Darüber erzählt er voller Begeisterung und detailliert, welche Positionen er in den Qualifyings und den anschliessenden Finalrunden belegt hat, was gut gelaufen ist und wo er Fehler gemacht, also wertvolle Sekunden verschenkt hat. «Ein Rennen ist mit einer Trainingsfahrt nicht zu vergleichen», sagt der leidenschaftliche Kartfahrer, «die Anspannung und Konzentration ist nochmals eine ganz andere.» Völlig ausgelaugt, aber auch überglücklich steige er jeweils aus seinem Miniboliden. 

Spass steht im Vordergrund 

Dieses Wochenende steht in der französischen Gemeinde Levier das dritte Rennen an. Nicolas Paszti kribbelt es bereits, der Sekschüler ist voller Vorfreude, kann es kaum erwarten, wieder in seinen blaupinkweissen Overall zu schlüpfen, die Hand- und Kartschuhe anzuziehen und den farblich perfekt abgestimmten Helm aufzusetzen. «Natürlich würde ich mich über ein tolles Ergebnis freuen», erzählt er, bevor er überhaupt nach seinen Erwartungen gefragt wird, «aber für mich steht der Spass absolut im Vordergrund.» 

Der 16-Jährige ist realistisch. Er träumt nicht von der grossen Formel-­1-Karriere, nicht davon, in Michael Schumachers Fussstapfen zu treten. Dafür hätte er schon viel früher den Motorsport für sich entdecken müssen, das weiss er. Der Sport ist zudem ein teurer und wer Rennen fährt, der muss nochmals tiefer in die Tasche greifen. Mehr als zwei Rennen pro Jahr lägen aus diesem Grund gar nicht drin, sagt der junge Zollikerbergler und ist seinen Eltern dankbar, die ihn nicht nur regelmässig zu seinen Trainings und Rennen begleiten, sondern ihm sein Hobby auch finanzieren. «Ohne sie wäre es schlicht nicht machbar», sagt er und lacht: «Meine Eltern haben mit dem Motorsport eigentlich gar nichts am Hut.» Mittlerweile schaue sich seine Mutter aber sogar hin und wieder ein Formel-1-Rennen im Fernsehen an und diskutiere mit ihm über den Motorsport. «Aber auch der Umweltschutz ist ein grosses Thema in unserer Familie», fügt der leidenschaftliche Kartfahrer an und erzählt, dass er sofort auf einen Elektrokart umsteigen würde, wenn er dies denn könnte. Im Moment sei dies im Kart auf Rennniveau aber noch nicht möglich. 

Traumberuf Polygraf 

Nicolas Paszti fühlt sich bereit für sein morgiges Rennen. Damit dieses optimal verläuft, befindet sich der 1 Meter 85 grosse junge Mann seit einem halben Jahr auf Diät. «Zurzeit achte ich sehr auf meine Ernährung», sagt er, «Salat steht jeden Tag auf meinem Speiseplan, auf Süssgetränke verzichte ich konsequent.» Denn jedes zusätzliche Kilo bedeute einen Tempoverlust, zudem habe jedes Rennen Gewichtsvorgaben, die es einzuhalten gelte. Und wenn sich der Sekundarschüler nicht mit Kartfahren beschäftigt, dann kümmert er sich um seine Zukunft. Zurzeit ist er auf der Suche nach einer Lehrstelle, die er im nächsten Sommer antreten will. Welchen Beruf er erlernen möchte, weiss er schon genau: den des Polygrafen. «Ich möchte kreativ tätig sein und in der Medienbranche Fuss fassen.» Zumindest da befindet sich der junge Zolliker auf dem Pfad seiner Eltern, sind diese doch beide gelernte Polygrafen und sein Vater Thomas Paszti Verleger der Medienwoche und Gründer der beiden bekannten Jobplattformen medienjobs.ch und ictjobs.ch . «Am Steuer eines Karts fühle ich mich wie ein Kind in einem Süsswarenladen», sagt Nicolas Paszti. Nun hofft er, dieses Gefühl bald auch in der Arbeitswelt erleben zu dürfen. (mmw)

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