Zumikon

Mehr als ein Bubentraum

Oberstleutnant Nils Hämmerli vor einem F-5 Tiger am Eingang des Air Force Centers in Dübendorf. (Bild: lvm)

Schon von klein auf verspürte Nils Hämmerli eine grosse Leidenschaft für die Fliegerei. Was mit der Erlangung des Privatpilotenbrevets begann, entwickelte sich dann zu einer 30-jährigen militärfliegerischen Laufbahn bis zum Komman­danten der bekanntesten Kunstflugstaffel der Schweiz. 

Vor einer Woche noch befehligte der in Zumikon aufgewachsene Militärpilot Oberstleutnant Nils Hämmerli an einer Flugshow in der Steiermark vom Boden aus die militärische Kunstflugstaffel Patrouille Suisse. Die sechs Düsenflug­zeuge des Typs F-5 Tiger sorgen mit ihren präzisen Formationsflügen bei Aviatik-Fans überall auf der Welt für Begeisterung. Selbst fünf Jahre als Pilot ­dabei, unterstützt Nils Hämmerli, mit fliegerischem Rufnamen Jamie, die sechs Flieger der militärischen Kunstflugstaffel heute vom Boden aus über Funk: «Als Kommandant der Patrouille Suisse habe ich die Aufgabe, die Piloten während ihres Kunstflugs zu coachen und falls notwendig kleine Formationskorrekturen zu veranlassen.» Um als Kommandant der nun schon seit 55 Jahren existierenden Patrouille Suisse gewählt zu werden, müssen alle aktiven Piloten der Kunstflugstaffel in stiller Wahl ihre Zustimmung geben. Dies setzt vollstes Vertrauen in den Kandidaten und seine fliegerischen Fähigkeiten voraus. Die Wahl und Ernennung zum Kommandanten der Patrouille Suisse kann als Höhepunkt einer militärisch-fliegerischen Karriere in der Schweiz betrachtet werden. 

Nils Hämmerli besuchte Mitte der Siebzigerjahre die Primarschule Juch bei Frau Stahel. Anschliessend standen drei Jahre Sekundarstufe im Schulhaus Farlifang auf dem Ausbildungsplan des an der Dorfstrasse 26 aufgewachsenen Militärpiloten. Selbst bezeichnet er sich als durchschnittlichen Mittelstufenschüler: «Meine Noten lagen während meiner Schulzeit in Zumikon wohl im Bereich einer viereinhalb. Meine Faszination und Begabung für die Technik entwickelte ich erst später.» Neben der durch Kindheit und Jugend andauernden Leidenschaft für die Luftfahrt war Nils Hämmerli über Jahre als Springreiter aktiv. Die Samstage waren mit Springturnieren für die Nati-Junioren belegt. Nach den Sekundarschuljahren absolvierte er eine Lehre als Hochbauzeichner mit der Idee, anschliessend an der technischen Hochschule in Winterthur zu studieren. Beruflicher Wunsch war damals, im Architekturbüro des Vaters zu arbeiten. Doch wurde während der Lehre der Wunsch, Pilot zu werden, immer stärker. Der Bruder eines Reiterkollegen, selbst Pilot, nahm ihn damals mit auf den Flugplatz Triengen, wo der Jugendliche in die Fliegerei eintauchte oder, präziser ausgedrückt, in die Fliegerei abhob. Dem Wunsch des Sohnes nachkommend, finanzierte Vater Urs seinem Sohn die ersten Flugstunden und ermöglichte ihm damit den Zugang in die Welt der Aviatik. Hämmerli erhielt noch vor seinem neunzehnten Geburtstag die Lizenz zum Privatpiloten. 

Fliegerischer Werdegang

In jener Zeit kam Nils Hämmerli auch erstmals mit der Schweizer Armee in Kontakt. Die Aushebungsbehörden meldeten sich und er wurde als Panzerfahrer ausgehoben. Später durchlief er, nach erfolgreich beantragter Umteilung, aber ausbleibender militärfliegerischer Vorschulung, seine Rekrutenschule erst bei den Fliegerbodentruppen in Payerne bis zum Korporal. Nach einer weiteren Selektion absolvierte er als Unteroffizier gemeinsam mit Fliegerrekruten im Januar 1991 die Fliegerrekrutenschule in Locarno-Magadino mit der Verpflichtung zum Offizier. Was folgte, waren Jahre der militärfliegerischen Ausbildung zum Berufsmilitärpiloten. Erst am Schulungsflugzeug PC-7, bis Nils Hämmerli die Propeller gegen Strahltriebwerke austauschte, zwischenzeitlich auf dem Bae Hawk MK.66 und fortan in Düsenjets wie dem F-5 Tiger und später dem F/A-18 Hornet arbeitete. Anfangs 1996 schloss er die Ausbildung zum Berufsmilitärpiloten ab und flog in den kommenden Jahren im Überwachungsgeschwader der Schweizer Armee. 1999 folgte der Eintritt in die Patrouille Suisse als Pilot. Über die Jahre sind bei ihm über 3900 Flugstunden zusammengekommen, was ungefähr 162 Tagen in der Luft gleichkommt. 

Heute hat Nils Hämmerli mehrere Hüte auf. Nicht nur ist er Kommandant der Schweizer Kunstflugstaffel sowie Flottenchef der 26 in der Schweiz noch im Einsatz stehenden Service – und Aggressorflugzeuge F-5 Tiger, nein, er besetzt weiter noch den Posten des Cheffluglehrers auf den F-5 Tiger sowie die wichtige Funktion des «Chief Air Defence» in der Einsatzzentrale der Luftwaffe in Dübendorf. Die Zeit, welche Nils Hämmerli, neben all seinen beruflichen Verpflichtungen und Einsätzen mit der Kunstflugstaffel noch bleibt, verbringt er mit seiner Frau Stephanie und den drei Kindern im Haus in Sulzbach bei Uster. Seine Abwesenheiten durch die Einsätze mit der Patrouille Suisse verlangt von seiner Frau eine straffe Organisation: «Zum Glück ist sie sehr selbstständig und schafft es noch, neben Haushalt und Kindern, teilzeitig zu arbeiten.» Wenn es die Umstände zulassen, verbringt die Familie gerne gemeinsame Zeit im Ferienhaus  im Tessin oder weiter im Süden in Apulien am Absatz des italienischen Stiefels. Die süditalienische Küche und das damit verbundene Lebensgefühl geniesst bei Familie Häm grosse Beliebtheit. Neben Italien stehen aber auch die USA mit dem Sonnenstaat Florida immer mal wieder auf dem Reiseprogramm, wo er die Tage gerne mit seinem Sohn auf dem Golfplatz verbringt. 

Berufsrisiken als Militärpilot

Die Faszination der Militärfliegerei blieb für ihn kein Bubentraum, ­sondern ein mit viel Disziplin und Willenskraft erlangtes Ziel. Ein Ziel, welches immer auch Risiken mit sich bringt. Die grösseren Einsatzmöglichkeiten der militärischen Fliegerei bergen im Gegensatz zur zivilen Fliegerei auch ein höheres Gefahrenpotential. Insbesondere bei einer Kunstflugstaffel, in welcher mehrere Flugzeuge in enger Formation fliegen: «Berufe, in denen ein Helm getragen wird, sei dies auf dem Bau oder beim Fliegen, bringen immer ein höheres Risiko mit sich und das Tragen hat somit einen Grund» In all den Jahren als Militärpilot hat Nils Hämmerli den Verlust mehrerer mit ihm befreundeter Militärpiloten zu beklagen. Er kennt die Risiken des Berufs, welche für ihn aber immer kalkulierbar. 

Seine einstigen Vorstellungen und Träume eines Pilotenlebens, das Beherrschen und Navigieren eines Flugzeugs durch Wind und Wetter, die Aufenthalte im Ausland und das Leben aus dem Koffer, allesamt ­Berufsvorstellungen, die für ihn Wirklichkeit wurden. Dem Wunsch, aus dem Koffer zu leben, wird er auch dieses Wochenende nachgehen können, wenn die Patrouille Suisse an der Airshow in Belgien ihr Können einmal mehr unter Beweis stellt Auf der Webseite des Veranstalters wird der Besuch aus der Schweiz gross angekündigt und Oberstleutnant Nils Hämmerli wird seine sechs Tiger einmal mehr als Kommandant vom Boden aus sicher durch den Himmel leiten. (lvm)

 

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