Zollikon

Es begann mit Frust

Tanja Dankner ist Soul-Sängerin, Casting-Coach, Mutter und legt mit «Supernatural Woman» ein neues Album vor.

Eigentlich hatte Tanja Dankner gar keine andere Chance, als Sängerin zu werden. Sie stammt aus einer Basler Musikerfamilie. Selbst beide Grossväter waren Musiker, einer davon Jazzpianist. Leider habe er das beruflich nicht ausüben können. Ihr Bruder Phil Dankner brachte sich mit drei Jahren das Klavierspiel selber bei und fing an, eigene Stücke zu komponieren. «Der musste gar nicht üben. Das hat mich so frustriert, dass ich selber mit dem Klavierspiel aufhörte», erinnert sich Tanja Dankner. Heute muss man zu der Frust-Entscheidung sagen: Gottseidank. Denn die 45-Jährige fing an zu singen. Und hörte nicht mehr auf. Aktuell ist ihre Soul-Version von «Highway to Hell» immer häufiger im Radio zu hören. Sie war Sängerin bei Celine Dion im Chor, die Stimme von DJ Bobos Alben, sie singt mit Steve Lee von Gotthard, ist auf dem Jazzfestival in Montreux zu sehen oder an der Baloise Session. Sie tourte mit der «Wochenshow» von SAT.1 durch Deutschland und diesen Sommer zum 100-jährigen Jubiläum des Zirkus Knie war sie Teil seiner Artistentruppe. Und das sind nur einige wenige der Stationen.

Stefan Raab, der Talentförderer

Ihre erste Band gründete Tanja Dankner zusammen mit ihrem Bruder Phil. «Nach der Schule habe ich eine Ausbildung zur Bewegungspädagogin gemacht. Eigentlich wollte ich noch die Ausbildung zur Physiotherapeutin dranhängen, aber die wartet seit 25 Jahren auf mich», lacht die Sängerin. Ihre Band «Soul Affair» war schweizweit unterwegs – und erfolgreich. Doch die Geschwister wollten mehr. Also «stürmte» Tanja 1999 die Garderobe von Stefan Raab in Zug vor seinem Auftritt. Sie wusste, dass dieser auch als Musikproduzent arbeitet. Sie überreichte ihm ein Demo-Band – damals wirklich noch als Kassette. «Er hat gelacht und fand mich wohl irgendwie herzig. Ich habe danach zwei Stunden auf dem Klo geheult, weil ich mir so lächerlich vorkam.»

Drei Wochen später folgte das Staunen, als Stefan Raab wirklich anrief. Kurzerhand zog Tanja Dankner mit ihrem Bruder nach Köln, und zwar direkt zu Stefan Raab. «Wir haben da gemeinsam mit ihm, seinen Eltern, seiner Schwester und seiner Oma in einem Haus gewohnt und das Album eingespielt», weiss die Zollikerin noch. Der Song «Will I Ever» stand danach 17 Wochen in den Schweizer Charts, sowie auch in Österreich und Deutschland. «Es war eine extrem spannende Zeit, aber es wurde auch schwierig.» Alle wollten plötzlich mitreden. Sie hätte jünger sein sollen als im Pass angegeben, Turnschuhe tragen statt High Heels, ihre Stimme klinge zu schwarz. «Ich war damals 19 Jahre alt und wollte einfach wieder zurück in die Schweiz», erklärt sie ihre Entscheidung, die sie nie bereut habe.

Solokarriere und Mutterschaft

Sie begann ihre zweite Karriere unter ihrem Namen und verbreitete den schnell. Ihre Soul-Stimme bleibt einfach im Gehörgang zurück – auch wenn die Musik längst verklungen ist. Sie bringt ein leichtes Vibrieren in die Trommelfelle, so ein schönes, schweres Gefühl ins Herz. «Ich habe damals mit vielen tollen Menschen gearbeitet.» Zwei weitere tollen Menschen traten in ihr Leben: Sie wurde Mutter einer Tochter und eines Sohnes. «Da war für mich klar, dass ich den Spagat zwischen Öffentlichkeit und Musik nicht mehr wollte. Ich wollte nicht, dass meine Kinder ein Teil der Öffentlichkeit werden.» Eine harte Zeit begann, da sie als alleinerziehende Mutter Ansprechpartnerin und Organisatorin für alles war. «Die Musik war damals auch meine Therapie und meine Band ist für mich auch eine Art von Familie.» Dass sie die Karriere als Sängerin nicht aufgeben würde, stand fest. «Durch die Musik bin ich ausgeglichen und glücklich und kann das eben auch an meine Kinder weitergeben.»

Coach in Castingshows

So wie sie als Coach ihr Wissen auch in Castingshows an Talente weitergibt. Ob bei «The Voice of Switzerland», dem Eurovision Song Contest oder bei den «Grössten Schweizer Talenten»: Sie hat schon vielen jungen Sängern und Sängerinnen Tipps gegeben. Sie coacht renommierte Sänger wie Trauffer oder Eliane Müller. Ein Tipp für ihren aktuellen Hit «Highway to Hell» bekam sie allerdings ungewollt von ihrem Sohn. Der trommelte den AC/DC-Song immer wieder auf dem Schlagzeug. Die Mutter überlegte sich, wie man daraus ­einen Soul-Hit machen könnte. Sie fuhr mit der Band ins Studio. «Die ganze Nacht haben wir daran gefeilt. Morgens um fünf kam ich mit dem fertigen Song nach Hause. Als ich meinen Sohn um sechs weckte, hat der nicht schlecht gestaunt», weiss sie noch. Auch auf Open-Airs käme der Song sehr gut an – obwohl viele der Zuhörer den Hit erst beim Refrain erkennen würden. Der Song kam auch in den USA so gut an, dass die Bläser der Band von Amy Winehouse aus Brooklyn ihn für ihr Album einspielten. Aktuell ist Tanja Dankner mit ihrem neuen Album «Supernatural Woman» auf Tour. Darauf finden sich zwei weitere Songs, die sie früher nie gemocht, aber durch die «Versoulung» zu den ihren gemacht habe: «Sweet Dreams» von Eurythmics und «Take on Me» von a-ha. Parallel inszeniert sie im Theater Rigiblick «The Greatest Soul Divas» zusammen mit Pepe Lienhard, Nubya, Fabienne Louves und anderen. Wer nicht so weit fahren will, um die Sängerin zu erleben, kann sie auch am 25. Oktober in Witikon bei der Eröffnung eines neuen ­Einkaufszentrums hören. Sie selber fährt übrigens mit dem Velo an der Trichterhauser Mühle hoch – gibt aber dabei zu, ein E-Bike zu haben. Seit fünf Jahren lebt sie mit ihren Kindern mittlerweile im Zollikerberg und geniesst die Natur und immer den Moment. «Wir dürfen nie vergessen, im Jetzt zu leben. Das hält uns jung – so wie die Musik und Kinder.» (bms)

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