Zumikon

«Die Idee ist angekommen»

Die Grünen konnten sich bei den jüngsten eidgenössischen Wahlen schweizweit über einen starken Zulauf freuen. Das gilt auch für Zollikon und Zumikon. Grosse Freude herrschte dabei natürlich auch bei Katharina Schweizer, der neuen Präsidentin der Zumiker Grünen. Im Gespräch erzählt sie von ihrer persönlichen Einstellung und auch von Zukunftsplänen.

Katharina Schweizer, wie sind Sie zu den Grünen gekommen?

Als wir nach Zumikon zogen, stellte ich fest, dass bei den Gemeindeversammlungen wenig Frauen und wenige Grüne zugegen waren. Aus Zürich kannte ich ein ausgewogenes Parlament. Das war meine erste Motivation.

Wie sind Sie Präsidentin geworden?

Hansruedi Widler wollte aus Altersgründen das Amt abgeben. Als er mich gefragt hat, habe ich spontan zugesagt. Es ging ja auch darum, schnell eine Nachfolgelösung zu finden, um unsere Themen weiter zu bearbeiten. Der Zeitaufwand ist für mich überschaubar. Vor den Wahlen, wenn Plakate geklebt und Infostände besetzt werden müssen, ist es etwas strenger.

Würden Sie sich jetzt auch einen grünen Bundesrat wünschen?

Ja, oder eine Bundesrätin! Natürlich wäre es schön, aber unser Hauptanliegen ist der Klimaschutz. Es ist wichtig, dass in der kommenden Legislatur einiges passiert und Resultate erzielt werden – mit oder ohne Grüne im Bundesrat.

In Zumikon und Zollikon hat Ihre Partei nicht so gut abgeschnitten wie anderswo. Waren Sie enttäuscht?

Gar nicht. Wir haben unsere Zahlen mehr als verdoppelt. Das macht mich absolut glücklich. Wir sind realistisch, wohnen wir doch in einer Gegend, in der eher die bürgerlichen Parteien ihre Wählerschaft haben. 

Wie leben Sie selber den grünen Gedanken?

Ich bin seit der Kindheit sehr naturverbunden, bin auf dem Land aufgewachsen und war sehr gerne im Wald, zum Beispiel mit der Pfadi. So wie meine Töchter jetzt auch. Ich versuche, sie auf die Schönheit der Natur aufmerksam zu machen. Ausserdem versuchen wir, unseren Konsum in Grenzen zu halten und Ressourcen zu schonen. So kann jeder bei sich selbst anfangen und schauen, was individuell möglich ist.

Wie sehen Sie, auch als Lehrerin, die «Fridays for Future»-Bewegung?

Ich finde es toll, dass es diese gibt und dass sich Jugendliche engagieren. Jahrelang wurde ihnen ja vorgeworfen, dass ihnen alles egal sei. Als Lehrerin bin ich mit dem Thema noch nicht konfrontiert worden. Das sind aber für mich definitiv keine Schulschwänzer.

Welche Aspekte würden Sie in Ihrer Partei gerne noch stärker gewichten?

Das Thema «Beleuchtung und Lichtemissionen». Es sollte mehr gegen Lichtverschmutzung in unseren Gemeinden unternommen werden. Das würde die Situation für die Tiere verbessern und wir könnten den Sternenhimmel wieder in voller Pracht sehen. Ausserdem sollten wir naturnahe Lebensräume in den Siedlungsgebieten schaffen, um Biodiversität zu ermöglichen. Mich würde auch interessieren, welches Potenzial es in unseren Gemeinden für neue Gewässerrevitalisierungen und für Schutzgebiete gibt.

Es wird aktuell von einer grünen Welle gesprochen. Das hiesse auch, dass diese wieder abebbt.

Das glaube ich nicht. Wir kämpfen seit 40 Jahren für den Umweltschutz. Wir haben als kleine oppositionelle Gruppe angefangen und sind mittlerweile eine ernst zu nehmende Partei. Die Arbeit hat sich gelohnt, die Idee ist bei den Wählern und Wählerinnen angekommen.

Wie könnten grüne Ideen in Zumikon und Zollikon noch stärker gelebt werden?

Klimaschutz beginnt auf lokaler Ebene, deshalb sollten unsere Gemeinden schauen, wie der Velo- und Fussverkehr attraktiver gemacht und CO2­Emissionen vermieden werden können. Unsere Gemeinden sind von Wäldern umgeben und diese kostbaren grünen Lebensräume müssen erhalten werden. Auch kleinere Wiesen, Bäume und Begrünungen können wertvollen Raum für Insekten bieten. Auch sollte dafür gesorgt werden, dass der «Wildwechsel» zwischen den Lebensräumen erhalten bleibt. Grün ist ein Miteinander und uns ist ein guter Dialog mit den anderen Parteien wichtig, um gemeinsam einvernehmliche Lösungen zu finden.

Sie sind berufstätig, bilden sich aktuell noch weiter und sind Mutter zweier Mädchen. Woher kommen Energie und Zeit für dieses Amt?

So ein Amt kostet nicht nur Energie – es gibt auch viel Energie zurück. Es macht mir Freude, mich für etwas einzusetzen, das mir am Herzen liegt. Ausserdem unterstützt mich mein Mann in meinem Engagement: Wir teilen uns die Betreuung der Kinder und die Aufgaben im Haushalt. Auch von der Familie, Freundinnen und Freunden erhalte ich viel Unterstützung.

Zur Person
Katharina Schweizer lebt mit ihrem Mann und den beiden Töchtern (10 und 7) seit 2009 in Zumikon. Sie ist Primarlehrerin und unterrichtet Begabungs-­ und Begabtenförderung auf der Mittelstufe in Zürich. Ausserdem betreibt die 40­Jährige ­einen «Malort» nach dem Vorbild von Arno Stern.

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