Zollikon

Lieber smart statt billig

Spielt in seiner Freizeit beim Zumiker Turn-­ und Sportverein Fussball: Timo Schuster. (Bild: zvg)

Der Zolliker Timo Schuster ist Aldi-Landesgeschäftsführer und kann ab nächstem Donnerstag in Zumikon bei sich selber einkaufen.

Herr Schuster, welches waren Ihre beruflichen Stationen, ehe Sie bei Aldi begonnen haben?

Ich bin gebürtiger Salzburger und habe Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität in Wien studiert. Nach dem Berufseinstieg als Regionalverkaufsleiter bei der österreichischen Aldi­Tochter Hofer im Jahr 2000 war ich ab 2002 als Expansionsleiter im Grossraum Wien und ab 2005 in Slowenien tätig. Als Landeskoordinator Verkauf lenkte ich ab 2006 die Geschäfte der slowenischen Filialen, bevor ich im selben Jahr die Position des Geschäftsführers von Aldi Ungarn übernahm. Seit 2010 bin ich nun Landesgeschäftsführer der Aldi Suisse AG.

Sie wohnen in Zollikon. Was schätzen Sie an Ihrem Wohnort? Die dörfliche Atmosphäre oder die Nähe zu Zürich?

Sowohl als auch – in fünf Minuten am See, auf der Laufstrecke im Wald sowie im Zürcher Seefeld zu sein, ist fantastisch.

Engagieren Sie sich im Dorf?

Innerhalb der tollen nachbarschaftlichen Gemeinschaft sowie beim Turn­ und Sportverein Zumikon, bei dem ich Fussball spiele.

Kaufen Sie selber als Konsument bei Aldi ein?

Ich kaufe den allergrössten Teil der Lebensmittel für meine Familie bei Aldi ein. Mein Lieblingsartikel ist das Bio-Holzofenbrot.

Haben Sie eine Lieblingsfiliale?

Eine wirkliche Lieblingsfiliale habe ich nicht, aber meine derzeitigen Stammfilialen sind jene in Witikon und in Dübendorf. Ich freue mich schon sehr auf die Neueröffnung in Zumikon, da habe ich es dann nicht mehr weit von zu Hause.

Aldi gilt gemeinhin als Billig­Discounter. Stören Sie sich an dem «billig»?

Ich denke, der Begriff «Smart Discounter» ist heute zeitgemässer und treffender. Seit unserem Markteintritt vor 15 Jahren mit dem Discountkonzept hat sich das Preisgefüge im Schweizer Detailhandel nachhaltig zugunsten der Konsumentinnen und Konsumenten nach unten verändert und gleichzeitig einen Qualitätswettbewerb am Markt ausgelöst.

In der Schweiz gilt man als Migros­oder Coop-Kind. Ihre Kampagne «Ich bin ein Aldi-­Kind» wirkte daher frech. Wie war die Resonanz?

Mit der Lancierung der Kampagne «Wir sind die Aldi­Kinder» sollte die Öffentlichkeit sensibilisiert werden, das Klischee der Migros- beziehungsweise Coop­Kinder zu überdenken. Das Angebot von Aldi mit toller Qualität zu besten Preisen ist die smarte Alternative. Die Kampagne hat polarisiert, aber gleichzeitig für sehr viele positive Kundenrückmeldungen gesorgt, die sich klar bekannt haben: «Ja, ich bin definitiv ein Aldi­Kind.»

Was unterscheidet den Kunden in der Schweiz von der Kundin in Deutschland oder Österreich?

Ich sehe hier mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede: Sowohl in der Schweiz als auch in Österreich besitzen die Konsumentinnen und Konsumenten beispielsweise ein sehr hohes Bewusstsein für Qualität, Nachhaltigkeit und Regionalität.

Aldi hatte zu Beginn Schwierigkeiten, Lieferanten zu bekommen. Wie konnten Sie diese doch überzeugen?

Der Aufbau einer breiten Schweizer Lieferantenbasis war zu Beginn herausfordernd. Doch dieser anfänglichen Zurückhaltung haben wir die Hand ausgestreckt und sind den möglichen Lieferanten mit Offenheit, grossem Respekt und fairen Bedingungen begegnet. Dies war der richtige Weg. Heute können wir auf eine Reihe von fantastischen Partnerschaften mit diversen Schweizer Lieferanten blicken. Darüber hinaus sind wir im laufenden Dialog mit hiesigen NGOs und anderen Organisationen.
Im Frischebereich setzen wir stark auf Produkte aus der Schweizer Landwirtschaft und fokussieren wenn immer möglich auf die Zusammenarbeit mit regionalen Anbietern. Dementsprechend machen wir bei unserem Frischesortiment rund zwei Drittel des Umsatzes mit Schweizer Artikeln.

Es zieht Aldi offenbar immer mehr in die Innenstädte: Könnten Sie sich auch in Zollikon eine Filiale vorstellen? Welche Bedingungen braucht es, damit ein Standort interessant ist?

In meinem Wohnort Zollikon könnte ich mir natürlich sehr gut eine Filiale vorstellen. Die Nachfrage seitens der Kundschaft wäre jedenfalls da, wobei es in Zollikon nicht einfach ist, einen geeigneten Standort zu finden. Für einen guten Standort braucht es eine zentrale Lage im Ort, eine ausreichend grosse Verkaufsfläche sowie eine gute Verkehrsanbindung.

Wo steht Aldi in zehn Jahren? Und wo stehen Sie dann?

Wir werden uns weiterhin auf den Ausbau unseres Filialnetzes konzentrieren, aber auch in bestehende Standorte investieren. Meine Kinder, die heute sechs und acht Jahre alt sind, werden dann mitten im Teenageralter sein und meine Frau und mich dann wohl rund um die Uhr beschäftigen.

Interview: Birgit Müller-Schlieper

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