Zollikon Zumikon

«Wir mussten nur zwei Bussen ausstellen»

Peter Zimmermann, Polizeichef Zollikon

Zollikons Polizeichef Peter Zimmermann. (Bild: zvg)

Durch die Coronakrise hat sich auch die Arbeit der Polizei verändert. Trotz der erschwerten Umstände hat der Zolliker Polizeichef Peter Zimmermann auch viele positive Erfahrungen gemacht.

Herr Zimmermann, wie lautet Ihr derzeitiger Auftrag? Was können Sie selbst entscheiden, welche Vorgaben kommen vom Kanton oder vom Bund?

Grundsätzlich müssen wir die Vorgaben des Bundes umsetzen. Gesetzliche Grundlage bildet die COVID-19-Verordnung 2. Die Kantonspolizei Zürich hat zusätzlich eine detaillierte Richtlinie herausgegeben, an die wir uns als Kommunalpolizei ebenfalls zu halten haben. In der Richtlinie ist unser derzeitiger Auftrag beschrieben. Nebst einer erhöhten sichtbaren Präsenz der Polizei geht es hauptsächlich darum, Menschenansammlungen von mehr als fünf Personen im öffentlichen Raum zu unterbinden. Zudem fordern wir kleinere Gruppen auf, den Mindestabstand von zwei Metern einzuhalten. Wir haben einen Ermessensspielraum, ob wir fehlbare Personen büssen sollen oder nicht. Gemäss Empfehlung der Kantonspolizei sprechen wir Bussen erst aus, wenn ein erster Appell keine Wirkung zeigt.

In der Öffentlichkeit ist die Polizei viel präsenter als vor der Krise. Ist diese verstärkte Präsenz auch ein Appell an die Bevölkerung, sich an die Regeln zu halten?

Weil mehr Leute zu Hause arbeiten als sonst, werden wir automatisch häufiger gesehen. Wir haben unsere Patrouillentätigkeit vor allem an den vergangenen Schönwetter-Wochenenden verstärkt, damit wir unseren Auftrag erfüllen konnten. Es ist unser Job, mit unserer Präsenz die Leute immer wieder daran zu erinnern, Ansammlungen zu vermeiden und den Zwei-Meter-Abstand auch wirklich einzuhalten.

Wie können Sie die häufigen ­Patrouillen personell stemmen?

Die zusätzlichen Patrouillen können wir auffangen, indem wir die herkömmlichen Patrouillenzeiten anpassen. Zudem wurden nicht dringende Administrativarbeiten zurückgestellt. Glücklicherweise haben wir derzeit auch keine Krankheits- oder Ferienabsenzen. Deshalb können wir alle Patrouillen, die wir im Polizeiverbund mit Küsnacht und Zumikon durchführen, mit unseren personellen Ressourcen abdecken.

Polizeibeamte müssen derzeit dafür sorgen, dass sich keine Menschengruppen bilden – eine Aufgabe, die in dieser Form noch nie da gewesen ist. Wie schwer fällt es den Beamten, diese Massnahme umzusetzen?

Zurzeit stossen meine Mitarbeitenden bei der Ausübung ihrer Arbeit auf hohe Akzeptanz in der Bevölkerung, weshalb es ihnen nicht wirklich schwer fällt, die Massnahme durchzusetzen. Es wird sich jedoch zeigen, wie sich die Stimmung bei anhaltender Einschränkung entwickeln wird. Wir hoffen, weiterhin auf das Verständnis unserer Bevölkerung zählen zu dürfen.

Die Regeln, wie sich die Bevölkerung in der Krise zu verhalten hat, werden laufend angepasst. Wie ­herausfordernd ist es für die Polizei, mit diesen Veränderungen Schritt zu halten?

Die Polizei ist grundsätzlich in ihrer täglichen Arbeit ständigen Veränderungen unterworfen. Sie ist es auch gewohnt, auf plötzlich eintretende unvorhergesehene Ereignisse rasch zu reagieren. Insofern stellt diese Herausforderung für die Gemeindepolizei Zollikon kein Problem dar.

Wie ist die Stimmung beim Personal?

Im Polizeikorps Zollikon herrscht zurzeit eine sehr gute Stimmung. Meine Polizisten sind hoch motiviert und allesamt sehr flexibel, wenn es zum Beispiel um kurzfristige Dienstplanänderungen geht. Die vermehrten Wochenenddienste werden vom gesamten Team getragen. Der Teamgeist hat in dieser Krisenzeit sogar zugenommen, was ich als Dienstchef sehr schätze. Die Polizisten sind sich bewusst, dass sie einen äusserst wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten. Dies wird auch von der Bevölkerung sehr geschätzt.

Haben Sie Verständnis dafür, wenn es die Leute bei schönem Wetter nach draussen zieht?

Ich verstehe das sehr gut und bin auch der Meinung, dass die Leute ruhig auch nach draussen gehen sollen. Solange die Vorgaben des Bundes eingehalten werden, spricht nichts dagegen. Es gilt ja auch keine Ausgangssperre. Würde man eine solche anordnen und die Leute zwingen, zu Hause zu bleiben, so hätte dies vermutlich einen Anstieg der häuslichen Gewalt zur Folge.

Welche Erfahrungen haben Sie über die Ostertage gemacht?

Die Ostertage verliefen überraschenderweise sehr ruhig. Insgesamt sind bei der Polizei lediglich vier Meldungen aus der Bevölkerung eingegangen, die zu einem Ausrücken führten. Auch die Rückmeldungen der diensthabenden ­Patrouillen waren allesamt positiv. Über Ostern waren sogar weniger Menschen unterwegs als am Wochenende davor. Die Gemeinde­polizei musste lediglich zwei Bussen ausstellen, weil Leute trotz Ermahnung der Polizei abgesperrtes Gelände betraten. Die Bevölkerung verhielt sich aber fast ausnahmslos sehr vorbildlich und brachte der Polizei grosses Verständnis entgegen.


Auch die Polizei Zumikon zieht eine positive Bilanz

Laut Daniel Ruckstuhl, Leiter Sicherheit und Polizeichef Zumikon, verlief die Polizeiarbeit in Zumikon über die Ostertage ohne grosse Zwischenfälle. Zwar seien vereinzelt Anrufe aus der Bevölkerung eingegangen, die zum Beispiel auf grössere Ansammlungen spielender Kinder hingewiesen hätten. «Das waren jedoch Momentaufnahmen», sagt Daniel Ruckstuhl. «Als wir vor Ort waren, hatten sich die Gruppen bereits wieder aufgelöst.» Auch Kontrollen an den Grillplätzen hätten ein positives Bild gezeigt: «Dort, wo sich zwei Familien gleichzeitig an einem Grillplatz aufhielten, wurden die Sicherheitsregeln vorbildlich eingehalten», so der Polizeichef. Bussen hätten über Ostern keine verteilt werden müssen.

Interview: Tobias Chi

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