Zollikon

Der leise Beitrag des Zivilschutzes

Einer von drei Zivilschutzposten im Spital Zollikerberg steht beim ­Haupteingang. (Bild: chi)

Zur Unterstützung des Gesundheitswesens wurden zahlreiche Angehörige des Zivilschutzes aufgeboten – so auch in Zollikon. Kommandant Thomas Stettler ist zufrieden mit dem Einsatz, der heute Abend endet.

Anfang März hatten sich die Spitäler für die drohenden Auswirkungen der Corona-Pandemie gerüstet. Allerorten wurden Betten freigehalten und Covid-19-Stationen eingerichtet. Auch im Spital Zollikerberg war man gut vorbereitet: In einer speziell eingerichteten Isolierstation für Corona-Patienten standen 36 Betten bereit. Der Zivilschutz Zollikon hatte den Auftrag bekommen, das Spital Zollikerberg zu unterstützen. Der Einsatz begann am Montag nach dem denkwürdigen 13. März, als der Bundesrat die Schliessung sämtlicher Ausbildungseinrichtungen, Gaststätten und der meisten Geschäfte anordnete.

Eigentlich hatte Zivilschutzkommandant Thomas Stettler damit ­gerechnet, dass Altersheime oder die Spitex um Unterstützung bitten würden. Doch weil die Pandemie glücklicherweise weniger prekär verlief als befürchtet, kamen diese Einrichtungen weitgehend mit ­ihrem eigenen Personal aus. Das Spital Zollikerberg benötigte eine Triage, um die erwartete Flut von Patienten und Angehörigen aufzufangen», sagt Thomas Stettler.

Anderer Umgang als bei WKs

Für die Betreuung der drei Posten an den Spitaleingängen bot der Zivilschutz Zollikon viele der rund 120 ihm zugeteilten Personen auf. In drei Schichten deckten die Zivilschützer jeweils den Zeitraum von 6.45 bis 22 Uhr ab.

«Um alles möglichst arbeitgeberfreundlich abzuwickeln, haben wir einen Doodle eingerichtet, in dem sich die aufgebotenen Personen eintragen konnten», erklärt der Kommandant. «Das lief ziemlich gut, rund 60 Prozent haben dieses Angebot genutzt. Den Rest haben wir den verbliebenen Schichten zugeteilt. Jede Person hatte insgesamt ein Pensum von fünf Tagen zu erfüllen.» Der Einsatz, der heute Abend endet, deckt rund 320 Diensttage ab.

«Aufgrund der besonderen Umstände pflegten wir einen etwas anderen Umgang als bei den Wiederholungskursen», sagt Thomas Stettler. Zum Beispiel wurden Personen, die in einem systemrelevanten Betrieb arbeiten und plausibel machen konnten, dass sie dort gebraucht wurden, nur für eine kurze Dauer eingesetzt oder dispensiert. Zivilschützer, die erkältet waren oder gerade aus Italien zurückgekehrt waren, galten als Sicherheitsrisiko und wurden entweder gar nicht oder für einen späteren Zeitpunkt eingeteilt.

Es mag erstaunen, dass der Zivilschutz Angehörige aus den Fachgebieten Logistik, Führungsunterstützung oder Unterstützung, nicht aber aus Schutz und Betreuung ­aufgeboten hat – denn diese sind ­eigentlich für die Unterstützung des öffentlichen Gesundheitswesens zuständig. «Diese Leute wollten wir für allfällige spätere Einsätze als taktische Reserve zurückbehalten», erklärt Thomas Stettler. Denn Anfang März habe noch niemand gewusst, wie sich die Lage entwickeln würde. Man sei davon auszugehen, dass bald zusätzliches Personal für die Patientenbetreuung oder die Unterstützung der Spitex und Alters- und Pflegezentren benötigt werden würde – ein Fall, der bis jetzt nicht eingetreten ist.

Verantwortungsvolle Aufgabe

Dieses Vorgehen soll die Verdienste der Zivilschützer an den Info-Ständen nicht schmälern, denn auch sie wurden mit einer verantwortungsvollen Aufgabe betraut. Seit dem 13. März herrscht im Spital ein Besuchsverbot, davon ausgenommen sind nur die Partner von Gebärenden, Angehörige von Palliativ-­Patienten sowie Eltern von Kindern auf der Neonatologie.

In den letzten Wochen waren die Zivilschutzposten erste Ansprechpartner für all jene Menschen, die das Spital betreten wollten. Sie machten sie auf das Verbot aufmerksam oder triagierten sie an die richtige Stelle weiter. Zusätzlich erledigten sie Botengänge oder begleiteten ambulante Patienten zu den im Spitalgebäude untergebrachten Arztpraxen. Nicht zuletzt sorgten sie dafür, dass die im Spital herrschende Maskenpflicht eingehalten wurde.

Laut Thomas Stettler verlief der Einsatz ohne nennenswerte Zwischenfälle. Er lobt das Pflichtbewusstsein der Zivilschützer und spricht seinen Dank an alle beteiligten Personen aus: «Alle haben erkannt, dass es sich um eine ausserordentliche Lage handelte, und sind mit entsprechendem Respekt und Feingefühl bei der Sache gewesen.» Einzelne Zivilschutzangehörige leisteten auch mehr als fünf Einsatztage. Der Kommandant ist überzeugt, dass die aktuellen Einsätze dazu beitragen, dass der Zivilschutz in der Bevölkerung ­anders wahrgenommen wird als bisher. «Er ist aus seinem Schattendasein getreten und sichtbarer geworden», freut er sich. «Wir leisten einen unspektakulären, aber wichtigen Beitrag zur Unterstützung des Gesundheitswesens.»

Tobias Chi

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