Zollikon Zumikon

Corona: wie immun sind unsere Kinder?

Den Kindern wurde ganz genau erklärt, was bei der Untersuchung für die Studie auf sie zukommt. (Bild: zvg)

Oescher-, Juch- und Sekundarschule Zollikon-Zumikon be­teiligen sich an einer grossen Studie der Universität Zürich zur Verbreitung des Virus durch Schülerinnen und Schüler.

Die Grosseltern sollten ihre Enkel nicht mehr hüten – hiess es während des Lockdowns. Kinder sind nicht ansteckend – hiess es auch. Diese zwei Aussagen zeigen, wie weit die Schere beim Wissen um das Virus gerade mit Blick auf Mädchen und Buben auseinandergeht. Die Universität Zürich hat aus diesem Grund eine Studie unter dem Titel «Ciao Corona» ins Leben gerufen, an der auch Schüler und Schülerinnen der einheimischen Primarschulen und der Sekundarschule teilnehmen. Ins­gesamt wurden 60 Zürcher Schulen per Losverfahren ausgewählt, sodass 3000 Schüler insgesamt drei Mal getestet werden.

«Wir wollen das Virus erst mal kennenlernen», unterstreicht Professor Milo Puhan, der die Studie leitet. «Wir möchten so den Kindern, Eltern und auch Grosseltern die Unsicherheit nehmen.» Die Kantone hätten bei der Öffnung der Schulen sehr unterschiedlich reagiert – manche mit Halbklassen, andere mit normalem Unterricht in den ­ursprünglichen Klassen. Welcher Weg der richtige ist, soll das Ergebnis der Studie aufzeigen können.

Schmerzfreier Pieks

In Zollikon erhielten Eltern der zweiten und fünften Primarschulklassen vergangene Woche die Information, dass ihre Kinder in die Studie eingebunden werden könnten, in Zumikon wurden drei Unterstufen und drei Mittelstufenklassen ausgewählt.

Die Teilnahme der Kinder basiert dabei auf völliger Freiwilligkeit, ebenso müssen die Eltern ihre Zustimmung geben. Auch während der Testphase können die Kinder ihre Teilnahme wieder abbrechen. Um Hintergrund und Ablauf genau zu erklären, erhielten Kinder und auch Eltern umfangreiches Informationsmaterial, parallel gab es zwei Zoom-Meetings, an denen die Mütter und Väter direkt ihre Bedenken oder Ängste äussern konnten. Mädchen und Jungen, die bereits an der Studie teilnehmen, berichten in Videoclips über den konkreten Ablauf.

Der sieht so aus, dass die Schüler schon Ende dieses Monats zum ersten Mal getestet werden. Dafür werden Speichel- und Blutproben entnommen. Um den kleinen Stich der Spritze schmerzfrei zu machen, werden die Armbeugen zuvor mit einer betäubenden Creme behandelt. Als kleinen Anreiz gibt es zudem für jedes Kind noch ein kleines Geschenk. Parallel füllt jedes Kind einen Fragebogen aus, in dem es unter anderem erklärt, ob es Krankheitssymptome hatte oder wie sich die Familie gegen das Virus geschützt hat.

Positiv? Auch Eltern und Lehrpersonen testen

Im Herbst dieses Jahres und im Frühling 2021 werden die Tests wiederholt, um ein aussagekräftiges Bild über die Dauer der Immunität zu erhalten. Es sei auch anzunehmen, dass es im Verlauf des Lebens wieder Pandemien durch Viren geben werde, wie auch schon in der Vergangenheit: Schweinegrippe, Hühnergrippe und Ebola. Da könnten die Resultate dieser Studie helfen, schneller auf die Gefahr zu reagieren. Die Ergebnisse würden natürlich anonymisiert verwendet. Im Falle eines positiven Resultats bei einem Kind hätten dessen Eltern – ebenso wie die betroffenen Lehrpersonen – aber die Gelegenheit, sich selbst auch testen zu lassen. «In unserem Team waren die Lehrpersonen über dieses Angebot erfreut», erklärt Philipp Apafi. Nachdem er am vergangenen Freitag die betroffenen Eltern per Mail informiert habe, seien nur positive Rückmeldungen zur Studienteilnahme gekommen.

Erfreuliche Resonanz gibt es auch in Zollikon: Georges Behna, Leiter der Oescher-Schule, hat überschlagen, dass rund 65 Prozent der eingeladenen Schüler am vergangenen Dienstag zur ersten Blutabnahme in die Turnhalle kamen. Zudem seien alle Mädchen und Jungens sehr tapfer gewesen. «Von unseren drei ersten Klassen, die ausgelost worden waren, sind mehr als die Hälfte gekommen», bestätigt auch Schulleiterin Simone Hürlimann von der Oberstufe Buechholz die breite Akzeptanz.

 

Birgit Müller-Schlieper

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